Fondsmanager streichen seltsame Erfolgshonorare ein
Kassieren bei Verlust

Der Fondsmanager macht Verlust. Die Anleger sind enttäuscht. Aber der Portfoliolenker erhält für den Rutsch in die Miesen auch noch eine Extra-Belohnung. Das klingt grotesk, ist aber ein Blick ins reale Leben.

Sehr bald könnte eine Diskussion über dieses Thema aufflammen, denn die Welten der traditionellen Investmentfonds und der Hedge-Fonds beginnen teilweise zu verschmelzen. Das könnte auch die von Hedge-Fonds bekannten Erfolgsgebühren beliebter machen. Ein aktuelles Beispiel sind die neuen Aktienfonds für europäische und japanische Titel, die Fidelity unter dem Label „FAST“ (englisch: schnell) unter das Volk bringt.

In den Produkten, die ähnlich wie Hedge-Fonds auch auf fallende Kurse spekulieren können, streicht das große internationale Fondshaus in bestimmten Fällen auch bei negativen Wertentwicklungen ein Zusatzhonorar ein. Klassische Hedge-Fonds dagegen kassieren hier nur bei positiver Performance.

Die Ausgangslage: Generell veranschlagen die Vermögensverwalter für ihre Arbeit eine feste Entlohnung. Das ist die so genannte Managementgebühr, ein prozentual fixer Satz, der regelmäßig vom Fondsvermögen abgezogen wird. Bei traditionellen Aktienfonds liegt er häufig in der Größenordnung von 1,5 Prozent. Hedge-Fonds verlangen mehr.

Für die ambitionierten Hedge-Fonds-Manager ist der fixe Satz aber nur ein Zubrot. Ihre wichtigste Einkommensquelle ist die Erfolgsbeteiligung. In der Praxis bedeutet diese „Performance Fee“ beispielsweise: Der Manager erhält ein Fünftel der Wertentwicklung, die über fünf Prozent hinausgeht – wenn denn tatsächlich in einem Jahr mehr als fünf Prozent verdient wurden.

Das Konzept war bei Hedge-Fonds immer unstrittig. Manager und Anleger sitzen in einem Boot. Beide wollen eine möglichst hohe positive Rendite einstreichen. Und so hat der Vermögensverwalter einen zusätzlichen Anreiz.

Die Adaption bei Investmentfonds oder bei den neuen Mischformen wie im Fidelity-Fall wirft allerdings Fragen auf. Für Hedge-Fonds bedeutet Erfolg eine positive Rendite oberhalb eines Mindestsatzes. Manager traditioneller Investmentfonds dagegen haben einen anderen Anspruch. Sie kämpfen gegen einen Index und jubeln auch, wenn bei schlechten Märkten ihr Fonds einen geringeren Verlust erzielt.

Den letzten Ansatz wählte auch Fidelity. Beispiel: Der europäische Aktienfonds fällt in einem Jahr um 15 Prozent, der Index um 27 Prozent. Dann vereinnahmt Fidelity ein Fünftel der Differenz, um den das Management besser abgeschnitten hat, abzüglich eines festen Satzes von zwei Prozent. Das wäre konkret ein Fünftel von zehn Prozent. Der Anleger würde also zusätzlich zwei Prozent an Fidelity abgeben – die kämen auf den Fondsverlust von 15 Prozent noch obendrauf.

Ist das fair? Sollte das Einfahren von Verlusten noch belohnt werden? Eric Syz sagt „Ja“. Für den Partner der kleinen Genfer Privatbank Syz ist die Outperformance gegenüber einer Messlatte eine honorierungsfähige Leistung. Dennoch wählt Syz bei den hauseigenen Investmentfonds, die unter dem Etikett „Oyster“ angeboten werden, den Hedge-Fonds-Ansatz. Er vereinnahmt Erfolgsvergütungen von fünf oder zehn Prozent nur dann, wenn der Fonds im Plus liegt. Es gibt übrigens auch einen Vorreiter bei den deutschen Top-Häusern. Der Marktführer DWS hat das Konzept in vielen seiner Investmentfonds eingebaut. Hier ist ähnlich wie bei Fidelity der Index das Maß aller Dinge.

Entscheidend ist: Der Anleger sollte beim Kauf wissen, auf welche Gebührenkonzepte er sich einlässt – und die sind oft noch durch zusätzliche Details verkompliziert. Grundsätzlich sind sie nicht „windschief“. Wenn ein Hedge-Fonds mehr Rendite einspielt als sein Mindestsatz, kassiert der Manager. Wenn aber DWS und Fidelity in den entsprechenden Produkten beispielsweise 20 Prozent machen und der Index 25 Prozent, gehen sie leer aus.

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