Bulle + Bär
Fondssterben bringt keine kleinen Preise

Beim Discounter Aldi zählt, dass es billig ist. Da wird die Ware von der Palette weg verkauft. Das spart Kosten, wovon auch der Verbraucher profitiert. Auch im Fondsgeschäft kommt es auf die Menge an.

FRANKFURT/M. Je mehr Geld der Manager dirigiert, umso geringer ist die relative Kostenbelastung für die Fondsgesellschaft etwa durch Gehälter und Aufwendungen für Jahresberichte. Rein theoretisch könnte daher auch die Gebührenbelastung für den Anteilsscheinbesitzer mit steigender Fondsgröße sinken. Die Frage ist brandaktuell, weil in der Anlagebranche die Neigung zur Schließung kleiner, unrentabler und für den Anleger teurer Fonds zunimmt. Union Investment kündigte soeben an, in den kommenden Jahren jeden fünften ihrer 126 Fonds dicht zu machen oder zu fusionieren. Cominvest will seine Produktpalette sogar halbieren.

Die Praxis ist anders, als es die Theorie vermuten lässt. „Ich kenne europaweit keinen Fall, in dem eine Gesellschaft die Managementgebühr wegen gestiegenen Fondsvolumens gesenkt hat“, sagt Ed Moisson, Analyst beim Londoner Datenanbieter Lipper Fitzrovia. Im Gegenteil haben die deutschen Häuser in den vergangenen Jahren ihre Gebühren tendenziell erhöht. Treibende Kraft sind die gestiegenen Kosten, insbesondere aber die nach oben schnellenden Aufwendungen für die Vertriebe, die einen immer höheren Anteil an der Managementgebühr für sich beanspruchen.

Allerdings liegen die Gebühren hiesiger Fonds immer noch unter dem internationalen Niveau. Das Ifa Privates Institut für Fondsanalyse errechnete eine durchschnittliche Gesamtbelastung von knapp 1,2 Prozent pro Jahr. Für die in anderen Ländern aufgelegten und hier angebotenen Produkte deutscher Investmenthäuser kommt das Ifa auf 1,5 Prozent.

Der weitaus größte Teil dieser Gesamtbelastungen entfällt auf die Managementgebühr. Ein deutlich kleinerer Teil sind anfallende Fixkosten, die ebenfalls dem Fondsvermögen belastet werden, etwa Aufwendungen für Wirtschaftsprüfer oder für den Druck von Rechenschaftsberichten. Diese Zusatzgebühren sind sowohl bei pan-europäisch vertriebenen als auch bei sehr kleinen Produkten naturgemäß besonders hoch.

An dieser Stelle können sich tatsächlich Vorteile ergeben – ohne Zutun der anbietenden Gesellschaft, weil die Managementgebühr nicht betroffen ist. Es geht um besonders kleine und deshalb besonders teure Produkte. Bei einem Mini-Fonds mit wenigen Millionen Euro Kapital summiert sich die Gesamtbelastung dank der Fixkosten schnell auf über zwei Prozent pro Jahr. Wird dieses Produkt mit einem großen Portfolio verschmolzen, rutscht die Gebührenquote deutlich nach unten. Dann zahlt der Kunde zwar immer noch keine Aldi-Preise, aber zumindest legt er nicht mehr zu teuren Feinkost-Käfer-Gebühren an.

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