Französischer Ölmulti profitiert von Expansionsplänen
Total gut drauf

Die derzeitige Entwicklung an den Rohstoff- und Devisenmärkten sehen Aktionäre des französischen Energie-Giganten Total mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Der hohe Ölpreis bereitet ihnen natürlich Freude; doch der schwache Dollar lastet wie Blei auf den Gewinnen; denn Total rechnet zwar seine Umsätze in Dollar ab, weist den Gewinn jedoch in Euro aus.

PARIS. Sollten die Auguren Recht behalten, droht dem französischen Ölmulti vom Makro-Umfeld in der Zukunft allerdings wenig Gutes: Kurzfristig erwartet – trotz der Entwicklung der vergangenen Tage – niemand einen Ölpreisverfall; denn der Winter naht, und die Lagerbestände sind niedrig – und zudem ist die Lage im Nahen Osten explosiv. Doch für 2004 rechnen die meisten Experten wie die Internationale Energieagentur in Paris mit einem Rückgang des Ölpreises. Gleichzeitig sehen die meisten Devisenexperten den Dollar weiter unter Druck – eine Kombination also, die Gift für die Total-Aktie sein dürfte.

Umso erstaunlicher erscheint es da, dass viele Aktienexperten trotzdem die Total-Aktie mit einer Kaufempfehlung versehen haben. Die französische Investmentbank CDC Ixis zum Beispiel zeigt sich gegenüber dem Energiesektor zwar zurückhaltend, empfiehlt das Total-Papier jedoch mit „zukaufen“. Die Gründe hierfür sind entsprechend auf Unternehmensseite zu suchen.

Die CDC-Ixis-Experten begründen ihre Meinung vor allem damit, dass Total seine Ölförderung stärker ausbaue als die Konkurrenz. Anfang September hatte Total-Chef Thierry Desmarest angekündigt, sein Unternehmen wolle die Fördermenge bis 2007 pro Jahr um fünf Prozent steigern; die Wettbewerber würden nur drei Prozent schaffen.

Den Ankündigungen lässt Desmarest Taten folgen: So läuft derzeit ein neues Förderprojekt in Nigeria an. Dazu steht Total gemeinsam mit Shell kurz vor dem Abschluss eines Abkommens mit der Regierung Saudi-Arabiens, das den beiden Multis erlaubt, die Ölvorräte des Scheichtums zu erschließen. Damit bekommen die beiden Konzerne als erste westliche Firmen seit der Verstaatlichung der dortigen Ölindustrie in den 70er-Jahren Zugang zu den Ölvorräten des Landes.

Darüber hinaus loben Analysten die gute Rentabilität des Total-Konzerns. „Im so genannten Downstream-Geschäft, also dem Betrieb von Tankstellen und Raffinerien, konnte das Unternehmen seine Margen ausdehnen“, sagt Dennis Nacken, Analyst der Helaba Trust. Indirekt profitierte Total zum Beispiel in den USA von der Angst vor neuen Terror-Aschlägen: Denn statt sich ins Flugzeug zu setzen, fuhren viele US-Bürger lieber mit dem eigenen Auto in den Urlaub – und bescherten den Tankstellen recht gute Geschäfte.

Auch den Konkurrenz-Vergleich in der Bewertungsfrage entscheidet Total für sich: Das Kurs-Gewinn-Verhältnis liegt auf Basis der Gewinnschätzung für 2004 bei 13; für Aktien der Wettbewerber müssen Anleger im Schnitt das 15-fache des vergleichbaren Gewinns bezahlen.

Doch die guten unternehmensspezifischen Faktoren von Total werden aktuell durch einen Unsicherheitsfaktor getrübt: Total streitet mit der spanischen Großbank Santander Central Hispano (SCH) um die Macht beim spanischen Energiekonzern Cespa. Das Unternehmen wurde bislang von beiden geführt, doch jetzt hat SCH den freien Aktionären von Cespa ein Übernahmeangebot gemacht. Möglicherweise ist die Bank dabei gar nicht an der Kontrolle des Ölfirma interessiert, sondern will nur Total zu einer höheren Gegen-Offerte bewegen, um sich so einen eleganten Ausstieg mit Gewinn zu bescheren. Dieser Übernahmekampf dürfte die Börsianer mit Blick auf Total wohl noch einige Zeit beschäftigen – neben dem Auf und Ab bei Dollar und Ölpreis.

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