Funkwerk überrascht erneut Anleger
Wo ist Kölleda?

Sehen sich Frankfurter Fondsmanager, die auf Nebenwerte spezialisiert sind, viel versprechende Unternehmen an, so fahren sie bislang nur selten gen Osten. Denn noch immer sind gerade dort Aktiengesellschaften mit gehörigem Wachstumspotenzial und einer für Fondsmanager interessanten Unternehmensgröße sehr dünn gesät. Eine der wenigen Ausnahmen: Funkwerk.

HB FRANKFURT. Das Unternehmen sitzt im thüringischen Kölleda nahe Erfurt und dürfte bald bevorzugtes Reiseziel von Fondsmanagern werden. Denn der aus einem ehemaligen DDR-Staatsbetrieb hervor gegangene Hersteller von Kommunikationssystemen für Verkehr und Logistik präsentierte in der vergangenen Woche Halbjahreszahlen, die selbst die kühnsten Erwartungen der Analysten übertrafen. Zudem wurden bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Planungen nach oben angepasst.

Kein Wunder, dass sich inzwischen mehrere Experten namhafter Banken mit der Aktie beschäftigen, obwohl Funkwerk in keinem der geläufigen Indizes vertreten ist. Das wird wohl auch noch eine Weile so bleiben, hat das Unternehmen doch zuletzt die nötige Marktkapitalisierung für eine Aufnahme in den TecDax erneut knapp verfehlt.

Für Analysten großer Geschäftsbanken ist eine solche Konstellation meist von vornherein ein Ausschlusskriterium. Doch sie halten es mit dem Unternehmenschef Hans Grundner: Für ihn ist es nur eine Frage der Zeit, wann die Aktie den Sprung dorthin schafft. So rechnet auch das Gros der Analysten damit, dass sich Funkwerk spätestens im nächsten Jahr TecDax-Unternehmen nennen darf. Einziges Hindernis dabei: Noch immer hält die oberbayerische Hörmann-Unternehmensgruppe einen Anteil von über 62 % an Funkwerk, weshalb der Aktienkurs noch etwas steigen müsste, um die Marktkapitalisierung nach oben zu treiben.

Für Phantasie sorgt das zuletzt immense Wachstum im Bereich professioneller Mobilfunk – in einem von drei Geschäftsfeldern. Funkwerk fertigt hierbei Telekommunikationseinrichtungen für Personen- und Nutzfahrzeuge, Hauptkunde ist die Deutsche Bahn. Konkret geht es dabei um Mobilfunkterminals mit GSMR-Technik, auf die sich 32 europäische Bahnbetriebe verständigt haben. Funkwerk ist hier alleiniger Systemlieferant für die Deutsche Bahn und gemeinsam mit Alstom auch mit der französischen Bahngesellschaft SNCF dicke im Geschäft.

Erst kürzlich hat die Deutsche Bahn einen weiteren Auftrag über 2 000 Terminals erteilt. Die Investitionen in einen funkbasierten Fahrbetrieb belaufen sich nach Expertenschätzung in den kommenden Jahren auf Milliardenhöhe. Die Phantasie der Aktionäre stachelte Hans Grundner damit an, dass er ankündigte, weitere Großaufträge noch in diesem Jahr zu erwarten.

Das dafür nötige Gespür bewies er auch mit den jüngsten Zukäufen. Dass Übernahmekandidaten derzeit günstig zu erwerben sind, kam dabei begünstigend hinzu. So sicherte sich Funkwerk erst im Mai die Überreste an dem Netzzugangsspezialisten Bintec Access Networks. Die einzig verwertbare Tochter der einst am Neuen Markt gelisteten Bintec Communications AG soll 15 Mill. Euro jährlich zum Umsatz beisteuern. Und die im Vorjahr übernommene Artem GmbH trug nun dazu bei, dass der Umsatz im bisher schwächsten Geschäftsbereich Private Netze um satte 57,5 % stieg. Ohne Artem wäre hier nur ein Plus von 6 % erreicht worden. Den Ortsnamen Kölleda haben etliche Frankfurter Fondsmanager bereits auf der Landkarte gesucht.

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