Gagfah
Eine erfreuliche Ausnahme

Manch ein Investor rieb sich gestern verwundert die Augen. Da meldete der Luxemburger Immobilienkonzern Gagfah, die Zeichnungsphase für seine insgesamt 44,9 Millionen Aktien werde wegen der großen Nachfrage schon am Mittwoch statt erst am Freitag beendet.

FRANKFURT. Hatten nicht zuletzt alle Kandidaten, die in diesen Tagen an die Börse streben, lautstark über das geringe Interesse der Investoren geklagt und deswegen zähneknirschend den Ausgabepreis gekürzt und/oder die Zeichnungsfrist verlängert.

Ist Gagfah somit ein Phänomen in der darbenden IPO-Szene? Sicher nicht. Aber die Tatsache, dass die Aktien anscheinend bei britischen und amerikanischen Investoren extrem gefragt sind, verdeutlicht, welch hohen Stellenwert große deutsche Immobilienportfolios und das Thema Reits haben. Bereits die Großemissionen der Immobiliengesellschaften Patrizia und DIC Asset im Frühjahr zeigten dieses Bild.

Die Argumentationskette ist dabei vergleichbar. Deutsche Immobilien gelten im internationalen Vergleich als unterbewertet. Jahrelang führten sie gegenüber anderen Anlageklassen ein Schattendasein. Die insgesamt gute Substanz und das damit verbundene Potenzial wurden von nur wenigen Investoren gewürdigt. Die Diskussion um die Einführung der steuerbegünstigten Immobilienaktien Reits hat das internationale Interesse aber dann ins Rollen gebracht.

Jedoch sind lediglich die großen Immobilienemissionen gefragt. Mit dem „Kleinvieh“, das momentan aus diesem Bereich an die Börse strebt, können und wollen die internationalen Investoren nichts anfangen. Da auch nur wenige deutsche Großanleger Interesse zeigen, sind die Titel immer schwerer unter das Volk zu bringen.

Falsch wäre es daher, wegen der guten Nachfrage nach Gagfah auf eine generell bessere Nachfrage nach Börsenneulingen zu hoffen. Gagfah ist eher die Ausnahme, der Erfolg der Aktie kann nicht als Stimmungsindikator für die gesamte IPO-Branche dienen.

Das verdeutlichen allein die Börsenneulinge dieser Tage. Biokraftstoff-Hersteller Verbio gelang gestern ein gutes Debüt, nachdem in der Vorwoche der Preis gesenkt und die Angebotsfrist verlängert wurde. LHS, Spezialist für Telekomsoftware, hat am Wochenende wegen geringer Nachfrage den erwarteten Erlös durch die Emission nach unten revidiert. Und Hotel.de, unschwer als Zimmervermittler über das Internet zu erkennen, liegt im vorbörslichen Handel am unteren Ende der sicherheitshalber weit gefassten Preisspanne von 21,50 bis 27 Euro.

Bei zwei Unternehmen wird man den voraussichtlichen Erfolg des Gagfah-Börsengangs vermutlich mit Wohlwollen registrieren: Bei der Düsseldorfer Corpus Immobilien und der HSH Nordbank-Tochter DGAG. Diese beiden Börsenkandidaten sind der Größe wegen diejenigen, die den Gagfah-Erfolg demnächst am ehesten wiederholen könnten.

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