Geschäftsberichte
Aktionäre wollen mehr Fakten

Gerade wieder brüten die Investor-Relations-Abteilungen deutscher Aktiengesellschaften darüber, wie der Geschäftsbericht des Jahres 2004 aussehen soll, der dann ab März 2005 unters Anlegervolk gebracht wird. Was am Ende aber dabei herauskommt, ist für viele Anleger häufig ein Ärgernis.

Gerade wieder brüten die Investor-Relations-Abteilungen deutscher Aktiengesellschaften darüber, wie der Geschäftsbericht des Jahres 2004 aussehen soll, der dann ab März 2005 unters Anlegervolk gebracht wird. Dabei gilt wie immer: Je größer das Unternehmen, umso länger die Zeit von der ersten Konzeption bis zum Erscheinen. Was am Ende aber dabei herauskommt, ist für viele Anleger häufig ein Ärgernis. Denn noch immer finden sich genügend Geschäftsberichte, die eher einer Imagebroschüre denn einem Finanzbericht gleichen. Viele verschwinden deswegen ungelesen in der Ablage.

Viele Unternehmen haben – getrieben durch Corporate Governance- und Compliance-Regeln – diesen Mangel erkannt. Rund einhundert Gesellschaften hat die Agentur Golin/Harris gefragt. Ergebnis: Die Mehrheit glaubt, dass die Inhalte präziser sein sollten und die Unternehmensbotschaft individueller vermittelt werden muss. „Wertberichterstattung“ lautet das Zauberwort. Es soll weniger Rückschau gehalten als viel mehr über Pläne berichtet werden, die im kommenden Jahr verwirklicht werden. „Was ist künftig Werttreiber der Aktie?“ ist dabei die Hauptfrage, die den Anleger interessiert. Bislang musste er sich aus einem Wust von Informationen selbst die Themen raussuchen, die für die künftige Entwicklung des Geschäfts und damit der Aktie von Bedeutung sind. Das soll passé sein.

Hinzu kommt, dass institutionelle wie private Anleger verstärkt darauf drängen, dass die Unternehmen ähnlich wie bei Börsenprospekten von Neuemissionen künftig mögliche Risiken ausführlicher herausstellen. Ob dies allerdings gelingt, darf bezweifelt werden. Schließlich gibt es, anders als bei Börsenprospekten, keine gesetzliche Vorgabe dazu. Schon allein deswegen dürfte den Unternehmen der Anreiz fehlen, allzu sehr auf mögliche Risiken einzugehen. Zumal sich in diesem Zusammenhang stets die Frage stellt, was ist tatsächliches Risiko und was Eventualität. Die Geschäftsberichte des Jahres 2004 werden inhaltlich sicherlich besser. Doch als neutrale Entscheidungshilfe beim Aktienkauf werden sie nie dienen können.

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