Gesco hat als untypische Beteiligungsholding Erfolg
Gute Heuschrecke

Beteiligungsgesellschaften saugen Unternehmen aus, bauen Arbeitsplätze ab und versilbern anschließend ihr Übernahmeobjekt. So lautet das aktuelle Vorurteil. Für Freunde ethisch reiner Investments sind sie deshalb an sich bereits vollkommen ungeeignet. Alle? Nicht alle.

FRANKFURT/M. Denn mit der Gesco AG findet sich bei genauem Hinsehen in der breiten Masse des Prime Standards ein Wert, der von vielen Investoren bislang wenig wahrgenommen wurde: eine Gesellschaft, die völlig ohne jede Ausstiegsabsicht mit ihren Beteiligungen ein über Jahre gewachsenes gutes Verhältnis pflegt, das nach dem Wunsch aller Beteiligten auch anhalten soll – und die so gar nicht den derzeit gängigen „Heuschrecken-Vorurteilen“ entspricht, mit der öffentlichen Diskussion aber ins Anlegerinteresse gerückt ist.

Eines vorab: Geschadet hat das Gerede über die „Heuschrecken“ der Gesco-Aktie nicht. Ganz im Gegenteil: In den letzten zwei Jahren hat sie um nahezu 250 Prozent zugelegt. Und geht es nach den Analysten, dann ist durchaus noch Potenzial vorhanden. Schließlich hat sich die Gesellschaft seit der Gründung 1989 über die Jahre hinweg zu einer Holding mit inzwischen elf eigenständigen Mittelständler entwickelt, die fast allesamt gute bis sehr gute Ergebnisbeiträge liefern.

Um im Bild zu bleiben, handelt es sich um eine gute Heuschrecke. Die Wuppertaler Holding übernimmt ohne jede Exit-Absicht mittelständische, gesunde Nischenanbieter aus den Branchen Industrie und Maschinenbau, bei denen die Nachfolgefrage offen ist. Dabei kommt es in der Praxis durchaus vor, dass Firmenlenker mit weit über 80 Jahren anklopfen, weil sie der Meinung sind, dass es nun doch mal an der Zeit sei, mangels geeignetem Nachfolger über die Zukunft des Unternehmens zu sprechen. Und da die Zahl der Mittelständler mit ungeklärter Nachfolge immer größer wird, steigt auch die Zahl interessanter Unternehmen, die die starke Schulter von Gesco suchen.

Wird man sich einig, kommt es zu einem weiteren, in der Beteiligungsbranche völlig unüblichen Schritt. Der von Gesco ausgesuchte neue Geschäftsführer muss sich grundsätzlich mit 20 Prozent am Unternehmen beteiligen. Das reduziert nicht nur von Hause aus die Zahl potenzieller Bewerber. Es schafft auch eine langfristige Verbundenheit mit „seinem“ Unternehmen.

Anleger fragen sich auf Grund der hervorragenden Kursentwicklung mittlerweile aber dennoch zu Recht, wo denn noch Potenzial für die Aktie herkommen soll. Ein Aspekt sind sicherlich die Zukäufe, von denen jährlich ein bis drei geplant sind. Die „20“ als angestrebte Zahl an Beteiligungen steht des öfteren bei Präsentationen im Raum. Dafür wird Gesco auch öfter als bisher abseits vom heimischen Kirchturm nach interessanten Mittelständlern Ausschau halten. Kommen bisher sieben von elf Beteiligungen von Rhein und Ruhr sowie aus dem Sauerland, so soll schon bald Baden-Württemberg zum zweiten Standbein der Gesco werden.

Aber auch die bisher schon gehaltenen elf Beteiligungen haben zuletzt überzeugt. Schon jetzt steht fest, dass die Zahlen des zum 31. März abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich besser ausfallen werden als ursprünglich gedacht. Genaueres wird Gesco am 28. Juni bekannt geben. Durchaus realistisch ist dann, dass der Dividendenvorschlag von 0,70 Euro im Vorjahr auf nun 0,80 Euro angehoben wird. Als gute Heuschrecke könnte damit die Gesco-Aktie schon bald auch in den Fokus von Fondsgesellschaften rücken, die sich auf ethisch reine Investments spezialisiert haben.

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