Goldman Sachs
Das Wunder des Hebels

Hier kommt sie, die Jubelaktie: Ihr Quartalsgewinn bricht einmal mehr Rekorde, die Bestmarke übertrifft die Schätzung auch des hoffnungsvollsten Analysten. Und was tut die Aktie? Am Tag der Datenveröffentlichung fällt sie so stark wie der Gesamtmarkt.

FRANKFURT. Das war am Dienstag und ist kein gutes Zeichen. Die Rede ist von Goldman Sachs, der Geldmaschine der Wall Street.

Goldman ist Herz und Kreislauf der Geldbranche in einem. Kein Unternehmen hält das Finanzsystem mit Wertpapier- und Derivatehandel, mit InvestmentBanking, mit der Beratung bei Firmenkäufen und Börsengängen so in Schwung wie dieses. Den Goldmännern geht es prächtig, denn das Geld- und Börsengeschäft rund um den Globus boomt und hat sich in den vergangenen Jahren sogar noch beschleunigt.

Wer das voraussah, der ist mit Aktien der Goldmänner bestens gefahren. In den vergangenen drei Jahren kamen die amerikanischen Standardwerte nur um etwa ein Drittel voran. Die Goldman-Aktie dagegen ist heute viermal so teuer wie damals. Besser als dem Aktionär ging es wohl nur den dort Beschäftigten: Die Deal-Einfädler sind in Partylaune, kassieren millionenschwere Boni und liefern damit sogar den Boulevardzeitungen Schlagzeilen.

Goldman-Chef Lloyd Blankfein kassierte im letzten Jahr ganz groß ab. Er strich über 53 Millionen Dollar an Boni ein. Das war Rekord für Wall-Street-Verhältnisse. Auch die Mitarbeiter haben keinen Grund zur Klage. Allein im ersten Quartal dieses Jahres zahlte die Firma jedem im Schnitt knapp 230 000 Dollar - die wichtigen Boni sind darin noch nicht enthalten.

Aus Börsensicht ähnelt die Goldman-Aktie einem Optionsschein auf die Wall-Street-Stimmung, einem mit hohem Hebel und unendlich langer Laufzeit. In der Hausse ist alles prima. Aber würde die Stimmung am Gesamtmarkt nachhaltig umschlagen, müssten die Goldmänner leiden. Der Hebel funktioniert in beide Richtungen und deshalb auch nach unten. Eine Börsenabkühlung würde das Interesse an Finanztransaktionen in den Keller rutschen lassen.

Aber da sei Blankfein vor. Der Firmenchef strotzte bei seinem Geschäftsausblick vor Optimismus. Er lehnt sich damit ziemlich weit aus dem Fenster. Das aktuelle Krisenthema an der Wall Street um die Hypothekendarlehen schlechter Qualität wischt er vom Tisch. Goldman ist nur moderat betroffen, sagte er unverdrossen.

Für engagierte Anleger lautet das Gebot der Stunde: Verkaufen, sollten sie an eine nachhaltige Korrektur der Märkte glauben. Wenn die Wall Street hüstelt, kämpfen Dealmaker Marke Goldman mit einer Lungenentzündung. Dazu passen die starken Kursabschläge bei einigen konkurrierenden Investmentbanken in der Börsenkorrektur der vergangenen Tage. Bisher hat sich Primus Goldman recht tapfer gehalten, doch Bear Stearns probte schon die Kurs-Talfahrt.Einem anhaltenden Börsendrift können sich auch die Goldman-Anteile nicht entziehen.

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