Hartes Durchgreifen der US-Behörden
Internet-Kasinos: Das Spiel ist aus

Die Bank gewinnt immer, so lautet eine der trivialsten Wahrheiten im Glücksspielgeschäft. Doch dieses Mal hat die Bank verloren, zu hoch gepokert, zu viel gesetzt und vor allem den Gegner unterschätzt. Ein veritabler Politthriller erschüttert derzeit die Boombranche der Internet-Kasinos, und die Anleger müssen die bittere Wahrheit erkennen, dass Glücksspielaktien genau so riskant sind wie Roulette oder Bakkarat.

LONDON. Eigentlich wollte David Carruthers am vergangenen Sonntag auf dem Flughafen in Dallas eigentlich nur umsteigen. Doch völlig überraschend wurde der Chef des britischen Internet-Kasinos Bet-on-Sports von US-Bundesbeamten verhaftet. Inzwischen haben die Behörden elf Angestellte des Unternehmens wegen Bandenkriminalität, Betrug und Verschwörung angeklagt. Die Aktie ist nach heftigen Verlusten vom Handel ausgesetzt.

Doch das Problem betrifft nicht nur Bet-on-Sports, die gesamte Branche hat sich offenbar verzockt. Die Aktie von Partygaming, dem größten Anbieter von Internet-Pokerspielen, verlor gestern acht Prozent an Wert. Die Anteile der 888 Holding, einem weiteren großen Internet-Kasino, sackten sogar um zehn Prozent ab. Grund: Die Anleger fürchten, dass die Anbieter ihren wichtigsten Markt, die USA, verlieren.

Der Markt für Internetwetten und -glücksspiele ist klein, wächst aber rasant. Mittlerweile erzielen die Firmen weltweit einen Jahresumsatz von zwölf Milliarden Dollar, die Hälfte davon in den USA. Doch gerade dort läuft derzeit eine massive Kampagne für das Verbot der Internetglücksspiele. Die Rechtslage ist komplex: Der „Interstate Wire Act“ aus dem Jahr 1961 verbietet das Angebot von Glücksspielen über das Telefon. Das Justizministerium in Washington leitet daraus auch ein Verbot für das Internet ab, allerdings existieren bislang keine Gerichtsurteile, die diese Sicht bestätigen.

Zuletzt verabschiedete das US-Repräsentantenhaus einen Gesetzesentwurf, der Internet-Kasinos endgültig illegal machen würde. Noch ist aber völlig unklar, ob der US-Senat dem Entwurf zustimmen wird. Viele in der Glücksspielbranche vermuten hinter der Festnahme von Carruthers politische Gründe, war der Chef von Bet-on-Sports doch einer der eifrigsten Lobbyisten gegen die umstrittene Gesetzesvorlage.

Ein klares Signal ist das harte Durchgreifen der US-Behörden auf jeden Fall, auch an die Aktionäre. Internet-Kasinoaktien waren schon immer ausgesprochen schwankungsanfällig, doch viele Anleger glaubten an die Wachstumschancen der Branche. Doch seit die Verbotsdiskussion in den Vereinigten Staaten heiß läuft, geht es stetig bergab. Die Internet-Kasinos und mit ihnen die Anleger hat das Glück verlassen. Die Chancen, dass es schnell zurückkehrt, dürften in etwa so gut stehen wie die auf einen Royal Flush beim Pokern.

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