Hedge-Fonds-Manager Jim Cramer
Im Bann des Börsen-Gurus

There’s no business like show business: Der gelernte Jurist und frühere Hedge-Fonds-Manager Jim Cramer ist der Star in der US-Börsenszene, seit er mit seiner Randaleshow „Mad Money“ im Fernsehen auftritt.

HOUSTON. Wie ein Bulle im Porzellanladen stampft er durch die Kulisse, beißt auch schon mal einem Schaumstoffbär den Kopf ab oder wirft mit Stühlen um sich. Alles im Dienste der Investoren: Denn die Aufsehen erregenden Einlagen sollen nur verdeutlichen, auf welche Aktien Cramer zurzeit große Stücke hält und wovon die Aktionäre besser die Finger lassen.

Was Cramer auf CNBC empfiehlt, floriert – und wer in seiner Show verrissen wird, sollte sich warm anziehen. Mad Money gilt inzwischen als eine solche Institution unter Laienanlegern, dass sich Cramers Prophezeiungen quasi von selbst erfüllen. Nach einer Kaufempfehlung sind Gewinnzuwächse von mehr als 25 Prozent keine Seltenheit.

Einer der Hauptnutznießer von Cramers rasant steigender Popularität ist die Aktie seiner eigenen Firma, des Internetdienstes TheStreet.com. Im Juli erreichte der Kurs ein Sechsjahreshoch von mehr als 13 Dollar. Einige Analysten wie Frank Gristina von Avondale Partners erwarten weitere Kurssprünge auf bis zu 15 Dollar.

Ähnlich wie Onvista in Deutschland liefert TheStreet.com Nachrichten, Kurse und Statistiken rund um die Börsen. Mit Berichten eigener Analysten und von Aktienjunkies, mit Radio- und Printausgaben gehen die Amerikaner allerdings noch einen Schritt weiter und liefern Börsentipps auf sämtlichen Multimedia-Kanälen. „Ignorieren Sie uns auf eigene Gefahr“, warnt die Homepage süffisant.

Im vergangenen Quartal schaffte TheStreet den Sprung in die Gewinnzone, nachdem die Firma noch im Vorjahresquartal einen Verlust eingefahren hatten. Das gute Ergebnis hat die Firma zum Großteil den Abonnentenzahlen zu verdanken, die seit Cramers Medienstunts in die Höhe schießen. Der größte Batzen stammt allerdings aus Werbeeinnahmen: Jeder will bei Cramer inserieren. Allein im vergangenen Quartal explodierte hier der Umsatz um mehr als 75 Prozent.

Der Haken: Der Kurs hängt extrem an der Person Cramers. Fällt dessen Popularität, sieht es düster aus. Und Cramer hat wahrlich nicht nur Fans. Eine gewisse Sprunghaftigkeit werfen ihm seine Gegner vor, und dass sich die Launen der Aktienmärkte nicht in einer halben Stunde erklären lassen.

Zudem befürchten offenbar einige Investoren, dass die Verbraucher in einem Bärenmarkt als erstes bei Luxusgütern wie Internet-Abos den Gürtel enger schnallen werden. Andere Experten widersprechen dieser These allerdings. „TheStreet kann den Anlegern ja ganz im Gegenteil eher helfen, bei einem Marktrückgang auf dem Laufenden zu bleiben und sogar von den Entwicklungen zu profitieren“, sagt Analyst Gristina. Bis auf weiteres läuft TheStreet.com jedenfalls mit voller Kraft voraus. The show must go on.

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