Hedge-Fonds und Banken können ihre spekulativen Investments nicht mehr so billig auf Pump finanzieren: Der Fluch der flachen Zinskurve

Hedge-Fonds und Banken können ihre spekulativen Investments nicht mehr so billig auf Pump finanzieren
Der Fluch der flachen Zinskurve

Die Gelddruckmaschine gerät ins Stottern. Im vergangenen Jahr konnten Hedge-Fonds und Banken leichtes Geld verdienen. Sie brauchten nur kurzfristig Geld zu leihen und es in langfristige Staatsanleihen anzulegen.

HB NEW YORK. US-Kreditinstitute konnten sich zeitweise für nur ein Prozent jährlich Geld bei der US-Notenbank (Federal Reserve) leihen und es für mehr als fünf Prozent in 30-jährige US-Staatsanleihen investieren. Carry-Trades nennen die Profis diese bislang profitablen Geschäfte. Doch inzwischen ist der Renditeabstand (Spread) zwischen kurz- und langfristigen Anleihen geschmolzen. Die Zinskurve, die Renditen für verschiedene Laufzeiten nachzeichnet, verläuft weniger steil. In Amerika kostet Dreimonatsgeld 2,5 Prozent, und 30-jährige Treasuries bringen knapp 4,5 Prozent.

Doch Not macht erfinderisch. So investiert US Bancorp, das sechst-größte US-Kreditinstitute, die kurz-fristig verzinsten Einlagen der Spar-kunden in hypothekengesicherte Wertpapiere. Solche Hypo-Bonds bringen einen Schuss mehr Rendite als Staatsanleihen. Allerdings fällt der Wert der Hypo-Anleihen stark, wenn die Kurzfrist-Zinsen zu stark steigen. Deshalb kann US-Bancorp-Chef Jerry Grundhofer nur hoffen, dass die Fed bei ihren Zinserhöhungen bald eine Pause einlegt. Sein Kollege George Schaefer junior, Chef der US-Regionalbank Fifth Third, hat schon in den sauren Apfel gebissen: Sein Institut meldete im Dezember den Verkauf eines großen Pakets hypothekengesicherter Anleihen, um sich gegen steigende Zinsen zu wappnen. Kostenfaktor: 340 Millionen Dollar vor Steuern. Die Fifth-Third-Aktie sank daraufhin innerhalb von drei Tagen um elf Prozent. Kein Wunder, dass andere diesem Beispiel nicht folgen möchten.

Doch der Druck auf Banken und Hedge-Fonds steigt. Denn der Zinsabstand dürfte weiter sinken. So erhöht die Fed ihren Leitzins bereits seit längerem, die Europäische Zentralbank könnte folgen. Wer heute kurzfristig Geld ausleiht und langfristig investiert, dem laufen womöglich morgen die Zinskosten davon. Für ein wahres Horrorszenario fehlt eigentlich nur noch ein plötzlicher Anstieg der langfristigen Renditen, zum Beispiel durch höhere Inflationserwartungen. Dem entspräche ein scharfer Rückgang der Anleihekurse, die sich gegenläufig zu den Renditen bewegen. Eine solche Zangenbewegung an den Zinsmärkten hatte die Commerzbank vor Jahrzehnten fast in die Pleite getrieben.

Während traditionsreichen Banken vor einem solchen Szenario graut, tanzen junge Hedge-Fonds ohnehin permanent am Abgrund. Sie schießen derzeit an der Wall Street wie Pilze aus dem Boden und existieren häufig nur so lange, bis eine schlechte Quartalsentwicklung ihre Investoren vergrault. Unter hartem Leistungsdruck haben die HedgeFonds eine riskofreudigere Variante entdeckt: „Viele leihen nicht mehr in Dollar, sondern in japanischen Yen“, erzählt ein Händler einer New Yorker Investmentbank. Dank der Nullzinspolitik der Bank von Japan kosten die Kredite fast nichts. Der Haken: Die Hedge-Fonds tragen das Währungsrisiko, denn investiert werden die billigen Yens in Dollar oder gar in Währungen wie Rand, Rubel oder Real.

Doch inzwischen hat sich das Chance-Risiko-Profil nicht nur bei klassischen Carry-Trades, sondern auch bei anderen Strategien ver-schlechtert, klagt Anthony Faillace, Mitgründer und Anlagechef des New Yorker Hedge-Fonds-Hauses Drake Management. Er hält die Prämien für die in Kauf genommen Risiken für viel zu niedrig. „Das Überbrücken der Zeit, bis die Risikoprämien wieder steigen, wird mühsam“, gibt Faillace zu. Andererseits können Hedge-Fonds-Manager und Bankchefs gerade jetzt durch cleveres Risikomanagement zeigen, dass sie ihr Geld wert sind.

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