Heidelberg Cement profitiert von der Konsolidierung
Hart wie Beton

Dass Zementaktien eine solide Anlage sind, gilt in den Zeiten der Baukrise als echte Überraschung. Viel Auswahl hat der Anleger in Deutschland dabei nicht. Im Grunde genommen bleibt nur eine einzige Aktie: Das Wertpapier der Heidelberg Cement AG.

DÜSSELDORF. Die Wiesbadener Dyckerhoff wird nämlich in Kürze von ihrem Großaktionär Buzzi Unicem aus Italien geschluckt und verschwindet damit voraussichtlich vom Kurszettel. Die Zementaktie aus Heidelberg, eines der größten Baustoffkonzerne der Welt und in Europa nach der französischen Lafarge-Gruppe die Nummer zwei, gilt in Analystenkreisen dagegen bereits als Geheimtipp.

Die Deutsche Bank hat die Aktie des Zementherstellers jedenfalls von „Hold“ auf „Buy“ hochgestuft. „Wir erwarten einen Anstieg der deutschen Zementpreise um 20 % in 2004“, begründen die Analysten die Höherbewertung. Das Kursziel für die Anlage in Beton erhöhten sie auf 35 Euro von zuvor 26 Euro. Aktuell liegt die Aktie bei 28,50 Euro.

Dabei sprechen die Halbjahreszahlen des Konzerns eine ganz andere Sprache: Heidelberg Cement ist in die roten Zahlen gerutscht. Unter dem Strich stehen 4 Mill. Euro Miese. Ein Jahr zuvor verbuchte der Baustoffkonzern noch einen Gewinn von 135 Mill. Euro. Der Umsatz ging trotz der Schließung von Standorten im ersten Halbjahr aber nur moderat um 6 % auf über 3 Mrd. Euro zurück. Bereinigt um Währungs- und Konsolidierungseffekte blieb er nahezu stabil. Der Absatz von Zement und Klinker legte sogar um 8 % auf 23,8 Mill.t zu. „Gemessen an den düsteren Erwartungen sind das solide Zahlen“, meint Erhard Schmitt von Helaba Trust. Dyckerhoff hat einen Umsatzrückgang um 17 % bekannt gegeben.

Woher kommt der Optimismus der Analysten? Nach einer hohen Kartellstrafe wegen wiederholter Preisabsprachen hat das große Aufräumen in der Zementbranche eingesetzt. Durch einen aggressiven Wettbewerb einzelner Anbieter sind die Zementpreise nach dem Platzen des Kartells in den Keller gerauscht. Sie liegen laut Bundesverband der Zementindustrie niedriger als in vielen osteuropäischen Ländern. Das Problem: Dem Absatz der deutschen Werke von 27,2 Mill t steht eine Anlagenkapazität von 37 Mill. t gegenüber. Diese Überkapazitäten werden nun endlich abgebaut. Kleinere, allein in Deutschland tätige Firmen werden von den großen geschluckt oder müssen aufgeben.

Erste Fortschritte sind nun sichtbar: „Der ruinöse Wettbewerb im Zement- und Transportbetonmarkt ist zum Stillstand gekommen“, sagte jedenfalls Heidelberg Cement-Chef Hans Bauer. Analysten wittern jetzt Preiserhöhungen. Heidelberg Cement hat sie bereits angekündigt. Der Konzern profitiert von der Konsolidierung. Marktbereinigung à la Heidelberg Cement: Bauer kauft ein kleineres Unternehmen nach dem anderen auf. Er geht davon aus, dass von den 20 kleineren Wettbewerbern 2004 noch 15 übrig sein werden. Dadurch würden Überkapazitäten abgebaut und die „Preise auf ein normales europäisches Niveau“ steigen. Beim Kartellamt indessen läuten bereits die Alarmglocken. „Wir werden die Preisentwicklung auf dem Markt intensiv beobachten“, kündigte eine Sprecherin an.

Heidelberg Cement-Chef Bauer rechnet aber 2004 auch mit einer Stabilisierung der Baukonjunktur. Das dürfte den Preisverfall ebenfalls bremsen. „Bei unseren Erlösen sollte die Talsohle durchschritten sein“, sagte Bauer. Für 2003 stellt er schwarze Zahlen in Aussicht. 2004 soll das Nettoergebnis im zweistelligen Prozentbereich zulegen.

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