Henkel-Aktie leidet zu Unrecht
Im Sog der schlechten Nachrichten

Wieder einmal ist die Henkel- Aktie abgestraft worden, weil der Konkurrent Unilever die Börse enttäuscht hat. Die Gewinnwarnung des britisch-niederländischen Konsumgüterkonzerns Anfang vergangener Woche bescherte der Vorzugsaktie der Düsseldorfer Henkel KGaA deutliche Abschläge. Zu Unrecht, denn Unilever hat spezifische Probleme, die Henkel nicht treffen.

HB FRANKFURT. Erstens hat Henkel kein Nahrungsmittelgeschäft und kann folglich auch nicht – wie Unilever bei Eis und Eistee – unter dem schwachen Absatz des diesjährigen schlechten Sommers leiden. Zweitens macht Henkel neben den konsumnahen Bereichen Wasch- und Reinigungsmittel sowie Körperpflege mittlerweile mit dem Bereich Technologies einen stattlichen Teil des Umsatz im Industriekundengeschäft. Das entwickelt sich sowohl was Umsatz als auch Gewinn anbelangt, sehr erfolgreich und gilt auch für die kommenden Monate als Wachstumsmotor.

Drittens hat sich der Henkel-Konzern mit der Übernahme der amerikanischen Dial-Corporation weltweit neu aufgestellt. In den USA ist der Konzern damit erstmals in größeren Umfang präsent, und das Unternehmen macht sich von dem schwachen Konsumklima in Europa und insbesondere Deutschland ein Stück unabhängiger. Vor allem aber bringt Dial dem Unternehmen einen Umsatz- und Ergebnissprung. Henkel und Dial zusammen sollen in diesem Jahr organisch um drei bis vier Prozent wachsen und das um Wechselkurs bereinigte Betriebsergebnis um etwa 15 Prozent steigen.

Dass diese guten Nachrichten, die das Unternehmen bei der Vorlage seiner Halbjahreszahlen bestätigte, von den Aktienmärkten nicht honoriert werden, ist zum Teil ein psychologisches Problem. Denn seit Henkel im Juli gewarnt hat, dass es – Dial herausgerechnet – seine organischen Umsatzziele nicht erreichen wird, hat die Aktie das Image als sicherer Hafen verloren. Am 6. Juli, dem Tag der Gewinnwarnung, sackte sie gleich um über fünf Prozent ab. Und wenig später, als Unilever schwache Quartalszahlen vorlegte, rutschte sie sogar auf ihr Jahrestief von 56,24 Euro, während sie Ende Juni noch beim Höchststand von 70,18 Euro notiert hatte. Derzeit notiert die Aktie bei 59,6 Euro.

Andererseits haben die Halbjahreszahlen bestätigt, was die Umsatzwarnung vermuten ließ: Auch Henkel leidet massiv unter der Nachfrageflaute und dem damit verbundenen Preiswettbewerb in vielen europäischen Märkten. Insbesondere im größten Geschäftsbereich Wasch- und Reinigungsmittel ist Henkel davon betroffen, dass immer mehr Verbraucher in Europa zu den preiswerten Eigenmarken des Handels oder günstigeren Markenprodukten wechseln. Massive Preissenkungen von Procter & Gamble bei Ariel haben Henkels Premiummarke Persil Marktanteile gekostet. Ob die verstärkten Werbeaktionen, die Henkel vor einigen Wochen gestartet hat, den Abwärtstrend aufhalten können, wird sich bei der Vorlage der Zahlen für das dritte Quartal im November zeigen. Bis dahin muss sich der Anleger damit zufrieden geben, dass Henkel jetzt im Nachgang zur Unilever-Gewinnwarnung seine Jahresprognosen bestätigt hat. Auch wenn die Umsatzwarnung des Unternehmens im Juli dazu geführt hat, dass viele Unternehmen ein Stück Vertrauen in Henkel verloren haben – bislang hat sich Henkel immer durch eine solide Prognosepolitik ausgezeichnet.

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