Historisch gesehen sind US-Aktien keine Schnäppchen
Nicht billig genug

Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von zuletzt 18,7 sind US-Aktien derzeit so günstig wie seit sieben Jahre nicht mehr, errechnete der Finanzinformationsdienst Standard & Poor’s (S&P). Von großartigen Kaufgelegenheiten ist an der Wall Street immer wieder die Rede.

DÜSSELDORF. Die zu den Optimisten gehörende Strategin von Goldman Sachs, Abby Joseph Cohen etwa glaubt, US-Titel seien zu 15 Prozent unterbewertet.

In der Tat ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von US-Aktien seit dem Platzen der Blase an der Börse drastisch gesunken. Ende 2001 hatte es mit 46,5 einen Rekordwert erreicht. Innerhalb von drei Jahren ist es also um fast zwei Drittel gefallen. Bei dieser Kalkulation legt S&P die nach den Rechnungslegungs-Standards US-GAAP ausgewiesenen Gewinne der vergangenen zwölf Monate aller im Index vertretenen Werte zu Grunde. Noch günstiger sieht die Rechnung aus, wenn nur das operative Ergebnis der Firmen in die Kalkulation eingeht. Danach liegt das KGV derzeit nur noch bei 16,8. Im operativen Gewinn bleiben Sonderabschreibungen und andere unschöne Einmalposten unberücksichtigt; die Gewinne erscheinen damit größer, das KGV niedriger.

Doch Vorsicht: Die populäre Messzahl erscheint um so weniger günstig, je länger der historische Vergleichszeitraum gewählt wird. Von 1988 bis heute gerechnet, liegt der historische Durchschnitt mit 23,5 immer noch höher als heute. Doch geht man bis 1935 zurück, beträgt der Durchschnitt für das KGV von US-Aktien 15,6. Die Jahre der Spekulationsblase nicht eingerechnet, ergibt sich gar nur ein Wert von 14, ermittelte Marktstratege James Montier von Dresdner Kleinwort Wasserstein, der zu den Bären am Aktienmarkt gehört.

Das KGV lässt sich leicht schönrechnen. Basierend auf den Gewinnschätzungen für 2004 beträgt es nur noch 17, bezogen auf 2005 liegt es bei 15,5, ermittelt Standard & Poor’s. Doch bilden hier Gewinne die Basis, die noch gar nicht realisiert sind. „Everything is going to be great tomorrow“, warnt Marktstratege Howard Silverblatt von S&P vor zu viel Optimismus, „morgen ist immer alles großartig.“ Auch Abby Cohen ermittelt ihre Bewertungsziffern auf der Basis künftiger Gewinn- und Dividendenerwartungen. Ob die Hoffnungen eintreffen, steht auf einem anderen Blatt. Allein schon der hohe Ölpreis könnte einen Strich durch die Rechnung machen.

Anleger sollten sich nicht täuschen lassen. US-Aktien sind immer noch teuer. Hohe Ölpreise, ein gedämpftes Wirtschaftswachstum und die Schwächen des Arbeitsmarktes verheißen allenfalls einen mäßigen Anstieg der Gewinne. Nur ein starkes Wachstum würde den gegenwärtigen Aufschlag im KGV gegenüber dem langjährigen Durchschnitt rechtfertigen. Hinzu kommt, dass die Zinsen steigen. Anleihen werden im Vergleich zu Aktien für Anleger damit wieder attraktiver, was auf die Kurse drücken dürfte. Noch mehrere Jahre dürfte es dauern, bis auch die letzten Nachwehen der drastischen Kursverluste ausgestanden sind und Aktien wirklich wieder günstig sind, schätzt man bei S&P. Damit stehen die Chancen, dass der US-Aktienmarkt wieder dauerhaft an Fahrt gewinnt, noch nicht besonders gut.

Trotzdem kein Grund, US-Papiere generell zu meiden. Einzel-Storys günstiger und attraktiver Aktien gibt es immer. Anlagespezialist Frank Lingohr erwähnt da etwa die großen Markennamen wie Coca-Cola oder Johnson & Johnson. Diese Unternehmen hätten in den letzten Wochen Kursverluste erlitten. Jetzt seien sie günstig zu haben. Wirklich günstig.

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