Hochzinspapiere bieten gute Chancen
Mehr als Ramsch

Unter Analysten und Fondsmanagern herrscht derzeit erstaunlicher Konsens, dass europäische Hochzinsanleihen (High-Yield-Bonds) in diesem Jahr attraktive Renditen versprechen. Dazu tragen eine niedrige Ausfallquote und qualitativ interessante Angebote bei.

LONDON. Wenn die Zinsen steigen, dann ist das normalerweise nicht gerade die beste Zeit, um Bonds zukaufen. Denn dann sinken die Kurse der Papiere. Dennoch herrscht derzeit unter Analysten und Fondsmanagern erstaunlicher Konsens, dass europäische Hochzinsanleihen (High-Yield-Bonds) in diesem Jahr attraktive Renditen versprechen. Dazu tragen eine niedrige Ausfallquote und qualitativ interessante Angebote bei.

Nach den Berechnungen von Portfoliomanagern soll der Markt für Hochzinsanleihen in diesem Jahr eine Rendite von acht bis zehn Prozent bringen. Andere rechnen immerhin mit sechs bis acht Prozent Rendite. Bis jetzt haben die Papiere zwar davon erst zwei Prozent erbracht, aber das Beste könnte in der zweiten Jahreshälfte kommen. Außerdem ist die Rendite der europäischen High-Yield-Papiere immer noch höher als die der Anleihen von Unternehmen guter Bonität. Die soliden, so genannten „Investmentgrade“-Papiere haben in Europa seit Januar lediglich 1,65 Prozent abgeworfen, Kursveränderungen und Zinsen zusammengenommen. US-amerikanische Hochzins-Papiere haben gar nur 0,65 Prozent erbracht.

Die Chancen, dass die Ramschanleihen, wie sie oft auch wenig respektvoll genannt werden, doch noch ihr Ziel erreichen, stehen nicht schlecht. In einer Umfrage des Wall Street Journal weisen Fondsmanager darauf hin, dass trotz der hohen Ölpreise und anziehender Zinsen die Ausfallquote bei den europäischen Anleihen niedrig geblieben ist. Sie beträgt derzeit nach Daten des Finanzinformationsdienstes Standard & Poor’s nur 2,83 Prozent. Im April des vergangenen Jahres, das für Hochzinsanleihen ein Superjahr war, hat sie mit drei Prozent höher gelegen.

Das schwierige Umfeld hat in den vergangenen Wochen auf den Kurs der Papiere gedrückt. Doch jetzt sind Portfoliomanager mutig geworden. „Der Markt bietet jetzt ganz sicher ein günstigeres Einstiegsniveau als noch vor einem Monat“, meint der auf High-Yield-Investments spezialisierte Fondsmanager Yuri Garbuzov von der Vermögensverwaltung Pacific Investment Management (Pimco) in London. Steigende Zinsen lassen Gabuzov dabei kalt, denn historisch betrachtet hätten Hochzinsanleihen in einem solchenUmfeld stets gute Kursentwicklungen vorgelegt. Steigende Zinsen gehen ja in der Regel mit einer verbesserten Wirtschaftslage einher, damit sinkt das Risiko, dass die Emittenten bankrott gehen. Außerdem bieten die hohen Zinsen der Papiere einen gewissen Schutz vor allzu großen Kursverlusten.

Andere, wie etwa Portfoliomanager Kenneth Barker vom Baillie Gifford High Yield Bond Fund in Edinburgh, loben die Qualität und die Vielfalt des europäischen High-Yield-Marktes. Das Angebot ist reichlich. Im Mai hat es zwar ein paar Rückzieher gegeben. Doch das Gesamtvolumen an Neuemissionen könnte den Wert von 2003 noch übertreffen. Im vergangenen Jahr wurden High-Yield-Bonds im Gesamtwert von 17,1 Mrd. Dollar auf den europäischen Markt gebracht. In diesem Jahr waren es bis jetzt schon 13,3 Mrd. Dollar. Eine der größeren Neu-Emissionen hat der deutsche Chemie-Konzern Cognis mit einem Gesamtvolumen von 580 Mill. Euro untergebracht. Auch der landesgrößte Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland plant eine umfangreiche Neuemission.

Für Privatanleger sind die einzelnen Papiere keine Alternative. Das Investment sollten sie Profis überlassen. Ein prüfender Blick auf entsprechende Fonds lohnt sich allemal. Ihre Beimischung könnte die allgemein mageren Renditen fast aller Asset-Klassen durchaus ein wenig aufpeppen.

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