Immer mehr Anleger entdecken den SDax
Handel ganz unten

Der Anstieg des Umsatzvolumens im SDax ist in seiner Höhe überraschend. Trotzdem wird es der SDax auch in Zukunft schwer haben, als interessantes Segment vom Anleger wahr genommen zu werden.

FRANKFURT. Die Szenerie war bezeichnend: Als vor gut zwei Wochen die künftigen Veränderungen in den Indizes der Deutschen Börse bekannt wurden, ging es in den Kommentaren dazu meist um den Dax, hie und da noch um den MDax und TecDax. Dass im SDax das Münchener Medienunternehmen Internationalmedia künftig die Mannheimer Versicherung ersetzt, war bestenfalls eine Randnotiz wert. Dabei haben die Anleger den unterhalb des MDax angesiedelten Index zuletzt mehr und mehr entdeckt. Zwischen April und August hat sich das Umsatzvolumen dort mehr als verdoppelt.

Die weitaus bedeutenderen Indizes legten zwar im Umfeld einer deutlich anziehenden Börse ebenfalls bei den Umsätzen zu, von solchen Zuwachszahlen konnten sie jedoch nur träumen. Die Performance des SDax ist seither nahezu identisch mit dem Aushängeschild Dax. Beide konnten seit dem Start der neuen Indexwelt knapp 40 % an Wert zulegen. Dennoch wären Schlagzeilen wie „Anleger stürmen den SDax“ reichlich vermessen. Schließlich liegt das Umsatzvolumen noch immer gerade bei einem Drittel dessen, was im darüber liegenden MDax umgesetzt wird. Trotzdem ist der Anstieg in dieser Höhe überraschend.

Erklärungsversuche gehen dahin, dass der SDax durch die Verkleinerung des MDax im Frühjahr von 70 auf 50 Aktien deutlich an Wert gewonnen hat, weil viele namhafte Unternehmen in der zweiten Liga keine Chance mehr hatten. Auch die Umgruppierung einstiger Stützen des Neuen Marktes von Technologie in klassische Werte hat geholfen. Viva, CE Consumer oder Balda sind nur einige der einstigen Highflyer, die sich nun im Kreise klassischer Handels- oder Dienstleistungsunternehmen finden. Und zu guter Letzt ist nach einer gewissen Eingewöhnungsphase durchgedrungen, dass sich im SDax nun eine ganze Reihe bekannter Namen tummelt: Ob Hornbach Baumärkte oder Beate Uhse, Sixt oder Villeroy & Boch, die Holsten-Brauerei oder Loewe, sie alle müssen dem Anleger ihre unternehmerische Tätigkeit nicht mehr erklären.

Trotzdem wird es der SDax auch in Zukunft schwer haben, als interessantes Segment vom Anleger wahr genommen zu werden. Tatsache ist nun mal, dass bei Smallcaps der Blick generell mehr auf Einzelwerte als auf einen Index gerichtet ist. „Stockpicking“ lautet das Stichwort, mit dem Investoren versuchen, interessante und bisher unentdeckte Einzelwerte zu finden. Doch gerade hierfür entpuppte sich der SDax als Eldorado. Ein Plus von 175 % schaffte beispielsweise die Aktie des Wiesbadener Chip-Unternehmens ACG seit Ende März, 180 % war es bei MDax-Aufsteiger Comdirect und beachtliche 130 % beim Hofheimer Logistik-Konzern D.Logistics.

Den Vogel mit einen Plus von 300 % in nur fünf Monaten schoss jedoch die DAB Bank ab. Auf der Gegenseite gab es in diesem Zeitraum kaum Unternehmen, deren Aktie an Wert eingebüßt hat. Lediglich Gericom, die Kloeckner-Werke, Beate Uhse, Villeroy & Boch und natürlich die Mannheimer Versicherung zählten hierzu. Solche Kursentwicklungen bleiben den Anlegern trotz des derzeitigen Dax-Höhenfluges natürlich nicht verborgen. Die Suche nach weiteren Kandidaten mit Nachholpotenzial ist deshalb in vollem Gange.

Mit einem anderen Problem muss der SDax jedoch leben: Dass seine Aushängeschilder mit großem Wachstumspotenzial ihn früher oder später verlassen. So geschehen zuletzt bei Fielmann und demnächst bei Comdirect. Weitere Kandidaten mit Blickrichtung MDax könnten schon bald die Indus Holding und die Holsten-Brauerei sein. Allein die Aussicht auf eine Höherstufung hat deren Aktie zuletzt Auftrieb gegeben. Die Deutsche Börse kann sich indes freuen: Die Anleger haben den SDax zumindest entdeckt. Insofern dürften künftig auch Veränderungen dort stärker als zuletzt noch wahrgenommen werden.

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