In der Warteschleife
Angloplat-Aktien bieten Potenzial - sobald der Rand fällt

Die Dominanz des südafrikanischen Minenkonzerns Angloplat ist schon daran erkennbar, dass er mit 2,6 Millionen Unzen mehr als 35 Prozent zur weltweiten Platinproduktion beisteuert. Doch trotz der guten Ausgangslage kommt der Aktienkurs des Unternehmens nicht richtig in Fahrt.

Eigentlich müsste Angloplat im Platinsektor keinen Rivalen fürchten. Die Dominanz des südafrikanischen Minenkonzerns ist schon daran erkennbar, dass er mit 2,6 Millionen Unzen mehr als 35 Prozent zur weltweiten Platinproduktion beisteuert – und damit fast doppelt soviel wie der Lokalrivale Impala, die ebenso klare Nummer zwei der Branche. Auch hat der im südafrikanischen Bushveld-Komplex ansässige Platinförderer solch hohe Reserven wie kein anderes Unternehmen der Sparte – ein wichtiges Kriterium für die Bewertung der Analysten. Angloplat, das zu 75 Prozent in den Händen des Bergbauriesen Anglo American liegt, sollte deshalb auch besser als die Konkurrenz in der Lage sein, den weltweiten Hunger nach dem weißen Edelmetall zu stillen.

Doch von Sorglosigkeit kann bei Angloplat keine Rede sein. Trotz der guten Ausgangslage kommt der Aktienkurs des von Ralph Havenstein geführten Unternehmens seit zwei Jahren nicht richtig in Fahrt. Ein wichtiger Grund dafür entzieht sich der Kontrolle des Unternehmens: die starke Aufwertung des südafrikanischen Rands gegenüber dem US-Dollar. Der von der starken Lokalwährung verursachte Einbruch der Exporterlöse hat Angloplat gezwungen, die ehrgeizigen Expansionspläne massiv zurückzuschrauben. Statt der ursprünglich geplanten 3,4 Millionen Unzen wird der Konzern im nächsten Jahr nun wohl allenfalls 2,8 Millionen Unzen schürfen.

Weit mehr ärgert Analysten jedoch, dass es dem Konzern partout nicht gelingen will, die im Zuge des Platinbooms vor drei Jahren aus dem Ruder gelaufenen Betriebskosten in den Griff zu bekommen. Lagen die (bereits hohen) Produktionskosten für eine Unze Platin in den ersten sechs Monaten des Vorjahres noch bei 3 800 Rand, sind sie inzwischen auf fast 4 300 Rand explodiert – und liegen damit über denen der Konkurrenz.

Zwar hat das Unternehmen seinen Gewinn im ersten Halbjahr um ein Drittel gesteigert, doch beruhte dies zum Teil auf technischen Faktoren wie Sonderposten. Dass es im Getriebe des Konzerns knirscht, ist umso erstaunlicher, als sich der Platinpreis seit langem stabil zeigt und zuletzt sogar wieder auf mehr als 900 Dollar je Unze gestiegen ist – den höchsten Stand seit 15 Monaten.

Um die Kosten zu senken, hat Angloplat ein Joint Venture mit dem viel kleineren Konkurrenten Aquarius geschlossen. Die gemeinsam betriebene Mine bei Rustenburg, 200 km westlich von Johannesburg, ist bezeichnenderweise die zweitprofitabelste des Platinriesens. Angesichts des Erfolges der Kooperation hat sich Angloplat gerade zu einem weiteren Joint Venture mit dem schweizerisch-britischen Minenunternehmen Xstrata durchgerungen. Beide wollen gemeinsam eine Platinmine erschließen, die voraussichtlich Ende 2006 in Betrieb gehen soll. Während Xstrata die Platinmine betreibt, übernimmt Angloplat die Weiterverarbeitung und den Verkauf des Metalls.

Für die Entwicklung der Gewinne und damit auch des Aktienkurses sind solche Kooperationen allerdings weit weniger entscheidend als die Richtung, die der Rand einschlagen wird. Dessen starker Anstieg seit 2002 hat Angloplat gleich doppelt getroffen: Während die Kosten in (festen) Rand anfallen, erhält der Konzern seine Erlöse in (schwachen) Dollar. Erst wenn sich der Rand stärker abschwächt, dürften die Gewinne wieder üppiger sprudeln – und der Aktienkurs dauerhaft anziehen.

Eine solche Abschwächung dürfte nach dem langen Höhenflug des Rands nur noch eine Frage der Zeit sein. Für ein Engagement bei Angloplat spricht zudem, dass die Aussichten für Platin wegen seiner guten Verfügbarkeit aber auch seiner speziellen Beschaffenheit ausgesprochen günstig bleiben. Nicht nur chinesische Hochzeitspaare, sondern auch die internationalen Autoproduzenten scheinen trotz des hohen Preisniveaus an dem Metall festzuhalten.

Wolfgang Drechsler
Wolfgang Drechsler
Handelsblatt / Korrespondent
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