Indexfonds
ETF-Anbieter müssen für mehr Klarheit sorgen

Indexfonds boomen - und das europweit. Das scheinbar wenig komplexe Anlageprodukt lockt mit vielerlei Vorteilen. Doch jetzt hat der Finanzstabilitätsrat die sogenannten ETFs im Visier. Der Grund: Mangelnde Transparenz.
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FrankfurtSo schnell ändern sich die Zeiten: Plötzlich ist der Inbegriff eines scheinbar einfachen Anlageproduktes kritikwürdig. Es geht um börsengehandelte Indexfonds, im Branchenjargon unter dem Kürzel ETF für Exchange Traded Fund bekannt. Quer durch Europa boomen diese Produkte mit einem Kapital von jetzt 217 Milliarden Euro. ETFs locken als Fonds ohne Ausgabeaufschlag, mit geringen Gebühren, jederzeitiger Handelbarkeit an der Börse und als transparente Produkte, weil sie eben genau wie ein Index aufgebaut sind.

Jetzt hat der Finanzstabilitätsrat die Produkte auf dem Kieker. Es ist jenes Gremium, das die wichtigsten Industrie- und Schwellenländer bei den neuen Regeln für die Finanzmärkte berät. Der Rat widmet sich in einem siebenseitigen Papier den Risiken dieser bisher als vorbildlich geltenden Produkte.

Und er hat Knackpunkte gefunden: Einige ETFs sind dem Urteil nach sehr komplex, also alles andere als einfach und transparent. Die Diskussion konzentriert sich auf eine Vorliebe mancher Anbieter. Diese Fondshäuser haben dann nicht die Indexpapiere im Fondsdepot, beispielsweise die 30 Aktien des Dax, sondern etwas ganz anderes. Sie vereinbaren dafür mit einer Bank – manchmal ist das die Muttergesellschaft des Fondshauses –, dass diese den Indexertrag garantiert. Laut dem Rat stecken hier Risiken, die jedem Anleger offengelegt werden müssen.

Dagegen ist nichts einzuwenden. Zumal es sich hier um Produkte handelt, die sehr offensiv mit ihrer Transparenz werben. Bisher boomt der Absatz vor allem dank der Nachfrage institutioneller Investoren wie Unternehmen und Pensionskassen. Aber in der jüngsten Zeit entdecken auch immer mehr Privatanleger die Vorteile von ETFs. Und gerade die Privaten sind besonders schutzbedürftig.

Direktbanken als Anlaufstelle für Selbstentscheider in Anlagegeschäften spüren das Interesse. Vor etwas über einem halben Jahr übernahm die DAB Bank eine Pionierrolle. Die Münchener bieten seitdem sogar gebührenfreie Sparpläne für die ETFs der Deutschen Bank an. Seit wenigen Tagen sind auch die Konkurrenzprodukte der Commerzbank mit im Rennen. Die DAB Bank hat in der kurzen Zeit schon eine hohe fünfstellige Zahl von Verträgen mit regelmäßigen Einzahlungen zum Nulltarif abgeschlossen.

Alle Anbieter tun gut daran, auch bei ETFs ihren Kunden sinnvolle Risikohinweise mitzuliefern. Der Anteil der Fonds mit eingebauter Bankengarantie am gesamten ETF-Markt ist in den vergangenen Jahren auf fast die Hälfte gewachsen. Anleger sollten allerdings wissen: Heute stellen die garantierenden Banken den Fondsanbietern meist Sicherheiten in einer Höhe, die über den Depotwert hinausgeht – das gab es früher nicht. Damit kann man das Thema Transparenz aber dennoch nicht einfach vom Tisch wischen. Manche Anbieter von Produkten mit Bankgarantien können weiter aufklären. Zum Beispiel darüber, dass Bankgarantien Geld kosten. Diese Kosten gehen zulasten des Fondsvermögens. Deshalb sollten die ETF-Häuser auch die Kosten dieser Garantien nennen.


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