Investoren schielen auf hohe Renditen
Comeback der Schwellenländer

Die Emerging Markets sind wieder da: Die hoch riskanten, aber oft genauso attraktiven Börsen der Schwellenländer ziehen die Anleger auf ein Neues an. In den vergangenen Monaten sind die Kurse an den Börsen von Venezuela bis Sri Lanka wesentlich stärker geklettert als in Amerika, Europa oder Japan. Damit nicht genug: Analysten sind überzeugt, dass in den Emerging Markets noch viel Potenzial steckt.

Gewiss: Alle diese Märkte haben schon früher kräftig zugelegt – nur um danach wieder brutal abzustürzen. Und viele der Börsen hängen auch von der ökonomischen Entwicklung in den USA und von der Weltwirtschaft ab. Die Finanzexperten des New Yorker Vermögensverwalters Heckman Global Advisors empfehlen ihren Kunden dennoch, in ihren Depots Aktien aus den aufstrebenden Volkswirtschaften aufzustocken. Im Gegenzug sollten die Bestände an Papieren aus Amerika, Europa und Japan untergewichtet werden. Nach Ansicht der Analysten von Heckman haben Russland, Brasilien, Thailand, Südkorea, die Türkei, Indien und Chile die größten Wachstumschancen.

Zuletzt haben viele Börsen in den Schwellenländern ein rasantes Wachstum gezeigt. Der viel beachtete MSCI-Emerging-Markets-FreeIndex ist in Dollar gemessen seit Ende 2002 um 21 % gestiegen. In Venezuela, Argentinien, Sri Lanka, Thailand und Israel legten die Kurse sogar zwischen 40 % und 60 % zu. Zum Vergleich: Der Dow-Jones-Industrial-Index, der MSCI-Europe-Index und der Nikkei-225-Index haben nicht einmal eine Steigerung von 10 % erreicht.

Trotz dieser Kurszuwächse sieht auch Aquico Wen von Citigroup Asset Management in London weitere Wachstumschancen für die Emerging Markets. Der Analyst verweist darauf, dass die Märkte während eines Aufschwungs in der Regel 85 % gegenüber ihrem Tiefpunkt gewinnen. Seitdem der Wendepunkt im Oktober 2002 erreicht worden sei, seien die Märkte aber nur um gut ein Drittel gestiegen. Vergleicht man das Kurs-Gewinn-Verhältnis, dann sind die Emerging Markets rund 40 % günstiger bewertet als der MSCI World Index.

Viele Experten setzen voll auf Asien. Niall Paul von Morley Fund Management in London schätzt, dass die asiatischen Volkswirtschaften mit der Lokomotive China dieses Jahr um rund 6 % zulegen werden. Paul empfiehlt vor allem Engagements in Thailand und Südkorea. Sein Aktien-Favoriten: Die thailändische Mobilfunk-Firma Advanced Info Service und die Bangkok Bank sowie der südkoreanische Elektro nik-Konzern Samsung und der Stahlproduzent Posco.

Bevor sich Investoren auf Aktien aus dem Emerging Markets werfen, sollten sie jedoch einen Blick in die Geschichtsbücher werfen. Viele Länder haben seit Jahren Probleme. So stürzten Staaten wie Argentinien und Mexiko in den vergangenen Jahrzehnten immer wieder in tiefe Finanzkrisen. Selbst Russland konnte 1998 seine Staatsschulden nicht zurückzahlen. Dazu kommen Sicherheitsrisiken: „Nordkorea ist ein Pulverfass“, sagt David Fuller, Analyst von Stockcube Research in London. Auch die Spannungen zwischen Indien und Pakistan sorgen seiner Ansicht nach für Zündstoff.

Die Experten sind dennoch überzeugt, dass viele Emerging Markets diesmal die hohen Erwartungen erfüllen werden. Seit der Finanzkrise in Asien 1997 habe sich viel positiv verändert. „Die Firmen in diesen Ländern sind jetzt viel gesünder als früher. Sie sind nach außen hin wesentlich offener und haben weniger Schulden“, sagt Analyst Wen von der Citigroup. Viele Unternehmen würden zudem von den weltweit niedrigen Zinsen profitieren.

Auch die Staaten haben dazu gelernt. Die oft tiefen Löcher in den Haushalten wurden zum Teil in Überschüsse umgewandelt. Zudem wurde die Binnennachfrage angekurbelt. Das verringert die Abhängigkeit vom Export. Zudem haben viele Länder die Wechselkurse freigegeben. Deshalb sind drastische Auf- und Abwertungen anders früher jetzt meist überflüssig.

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