IT-Unternehmen AC Service
Kurssprung mit Ansage

Das Phänomen ist vor allem bei Nebenwerten anzutreffen: Da liefert ein Unternehmen über Jahre solide Zahlen, ist gut positioniert und bietet keinerlei Anlass zur Sorge. Doch die Aktie dümpelt leblos vor sich hin, weil die Gesellschaft langfristig zu klein zum Leben und zu groß zum Sterben ist.

FRANKFURT. Fonds und andere Großinvestoren steigen erst ein, wenn der Börsenwert 50 Millionen Euro überschreitet. Und für Stockpicker, die auf heiße Wachstumsstorys blicken, ist zu wenig Phantasie darin.

Fressen oder selbst gefressen werden lautet entsprechend die Devise, um am Aktienmarkt auf Resonanz zu stoßen. Bestes Beispiel für eine solche Entwicklung war zuletzt das Stuttgarter IT-Unternehmen AC Service. Das erlebte zum Ende des Neuen Marktes eine ganz schwierige Phase, lag in den letzte drei Jahren aber nach erfolgter Restrukturierung wieder voll auf Kurs. Mit einem Börsenwert von über 40 Millionen Euro war es für viele Investoren jedoch keines Blickes wert.

Die bereits Anfang 2005 getroffene Aussage des Managements, über einen Zukauf in eine andere Dimension wachsen zu wollen, verhallte am Aktienmarkt ungehört. Erst als mit Beginn des neuen Jahres das Münchener Systemhaus All for One zu AC Service stieß, explodierte der Kurse um rund 50 Prozent.

Ein Automatismus folgte dem nächsten. Die Akquisition löste den Kurssprung aus, der Kurssprung neues Interesse bei Investoren, und zum Schluss folgte gesteigertes Interesse der Analysten, die nun allmählich wieder die Aktie beobachten.

Genau hier liegt der Knackpunkt: Hätte es nicht genau umgekehrt sein müssen? Hätten Analysten, Fondsmanager und Investoren sich nicht schon vor über einem Jahr bei der ersten Ankündigung positionieren müssen, um aufgestellt zu sein, wenn es zum Zuschlag kommt?

Die Antwort ist ein klares Ja. Die Realität sieht jedoch in vielen Fällen anders aus. Noch immer reagiert der Großteil der Investoren und erst recht der Analysten erst, wenn ein Unternehmen die Vorlage liefert. Die Ankündigung, dass irgendwann in geraumer Zeit mit einer Übernahme, verstärkten Auftragseingängen oder Innovationen auf der Produktseite zu rechnen ist, lässt sie kalt. Erst wenn den Ankündigungen, die zu diesem Zeitpunkt selbstverständlich nur vage ausfallen können, Daten gefolgt sind, greifen viele zu. Dann ist es jedoch schon oft zu spät: Vom Kursplus profitieren die wenigen, die schon früh die Worte des Managements richtig interpretiert haben.

Nach dem Kurssprung von 50 Prozent tendiert die AC Service-Aktie wieder seitwärts. Daran haben auch die guten Quartalszahlen der vergangenen Woche und die Ankündigung, dass sich der Wachstumskurs in den nächsten Quartalen fortsetzen soll, nichts geändert. Außerdem will das Management die Marktposition mit weiteren Akquisitionen ausbauen. Die Leblosigkeit, die die Aktie lange umgeben hat, dürfte damit der Vergangenheit angehören.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%