Japans Kapitalmarkt bangt um seine Stammkäufer
Lösung à la Nippon

Die Beamten im japanischen Finanzministerium haben es nicht leicht. Japans enorme Staatsverschuldung zwingt sie, jedes Jahr mehr Staatsanleihen auszugeben – im laufenden Fiskaljahr werden es Papiere für rund 160 Billionen Yen (knapp 1,2 Billionen Euro) sein. Bisher sorgten jedoch zwei Dinge dafür, dass die Sorgenfalten nicht zu tief wurden.

HB TOKIO. Zum einen waren Japans Langfristzinsen durch Deflation und Nullzinspolitik der Zentralbank historisch niedrig. Zum anderen erfreuten sich die Bonds bisher einer stabilen – vornehmlich staatlichen oder öffentlichen – Abnehmerschaft.

Beides könnte sich in Zukunft jedoch ändern. Die Langfristzinsen in Japan steigen seit dem Vorjahr wieder. Zehnjährige Staatsanleihen rentieren heute bei gut 1,6 Prozent etwa mit dem Dreifachen des historischen Tiefs. Der Hintergrund ist eigentlich positiv: Durch das Wirtschaftswachstum lässt der Deflationsdruck nach, ein Ende des Preisverfalls erscheint möglich. Da die Notenbank dann wohl die Leitzinsen anheben würde, müsste der Staat jedoch für neu geliehenes Geld tiefer in die Tasche greifen.

Zur gleichen Zeit sorgen sich die Beamten im Finanzministerium um ihre Stammkäufer, vor allem aus staatlichen Institutionen und Geschäftsbanken rekrutieren. Ausländische Investoren spielen mit gerade einmal fünf Prozent Marktanteil kaum eine Rolle auf dem japanischen Anleihemarkt und auch Privatanleger gibt es bisher kaum. Das Finanzministerium hat die Privatkunden jetzt aber als potenzielle Abnehmer entdeckt und spezielle Staatsanleihen für Oma Mori und Onkel Tanaka entwickelt, die so viel Gespartes unter dem Kopfkissen haben. Auf Postern werben Schauspieler für eine Anlage in japanische Staatsanleihen. So soll der Anteil der Privatinvestoren von derzeit unter drei auf zehn Prozent steigen.

Über Umwege sind heute schon deutlich mehr Ersparnisse in Japanischen Staatsanleihen, JGB genannt, investiert. Sowohl die privaten Geschäftsbanken, als auch die Post reinvestieren einen Großteil ihrer Einlagen in die Papiere. Zumindest die Geschäftsbanken wagen sich aber langsam wieder an renditeträchtigere Geschäfte zur Refinanzierung, beispielsweise weiten sie ihre Kreditvergabe an Privatkunden und kleinere Firmen wieder aus.

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