Kaffeehauskette
Die Grenzen des Starbucks-Wachstums

An die auffällig unauffällige Platzierung von Produkten in Hollywood-Streifen haben sich Kinogänger längst gewöhnt. Der US-Konzern Starbucks ging jüngst noch einen Schritt weiter und kaufte sich kurzerhand in einen ganzen Kinofilm ein.

DÜSSELDORF. „How Starbucks saved my Life“ ist der wenig bescheidene Name eines Universal-Films, in dem Oscar-Preisträger Tom Hanks die Hauptrolle übernehmen wird.

Das Marketing mit dem Dampfhammer kann der Kaffeeröster gut gebrauchen, um künftig noch mehr Kunden in seine Kaffeehäuser zu locken. Schließlich ist die Aktie von Starbucks inzwischen astronomisch hoch bewertet.

Zugegeben: Optisch billig sind Wachstumsperlen wie Starbucks an der Börse selten, und operativ könnte das Geschäft für Starbucks kaum besser laufen. Umsatz und Gewinn wachsen seit Jahren um 25 bis 30 Prozent pro Jahr, und Starbucks hat weder die eigenen noch die Prognosen der Analysten jemals enttäuscht. Mit einer Kursvervierfachung binnen fünf Jahren ist die Aktie den künftigen Erträgen allerdings weit vorausgeeilt, denn auch für eine Kaffeehauskette wachsen die Bäume nicht in den Himmel.

Aus der Gewinnschätzung der Analysten für das laufende Jahr ergibt sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 54. So teuer war das traditionell hoch bewertete Papier nur einmal: im Jahr 1999. Seinerzeit ließ eine Kurshalbierung binnen weniger Wochen Luft aus dem Aktienkurs ab.

Ähnliches fürchten derzeit offenbar auch jene Investoren, die stets am besten über den Konzern informiert sind. Insgesamt neun Insider-Verkäufen von Vorständen in den letzten sechs Monaten über zusammen 613 000 Aktien steht kein einziger Insider-Kauf gegenüber.

Stutzig macht auch ein Blick auf das Verhalten institutioneller Anleger: Sie trennten sich im letzten Quartal trotz stetig steigender Kurse netto von rund elf Millionen Aktien im Gesamtwert von knapp 400 Mill. US-Dollar. Beide Indikatoren deuten darauf hin, dass die Starbucks-Aktie bald günstiger als für die zuletzt bezahlten 38 US-Dollar zu haben sein dürfte.

Langfristig scheint die Wachstumsgeschichte von Starbucks zwar weiterhin intakt: Der Konzern betreibt 11 000 Filialen in 37 Ländern, und täglich kommen fünf neue hinzu. Das erklärte Ziel von Starbucks sind mindestens 30 000 Filialen weltweit. Allen Erfolgsmeldungen über die weltweite Expansionsstrategie zum Trotz stehen aber noch immer 70 Prozent der Starbucks-Filialen in den USA, und auf den Starbucks-Heimatmarkt entfallen derzeit auch zwei Drittel aller Neueröffnungen. Bis der Konzern daher auch nur ein Mindestmaß an Unabhängigkeit vom Durst der US-Amerikaner auf den teuren Lifestyle-Kaffee und damit auch dem US-Konsum erreicht hat, müssen weltweit noch viele „Tall Lattes“ und „Venti Cappuccino“ über die konzerneigenen Kaffeetheken wandern.

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