Kaum ein Zertifikate-Emittent hat bisher das Anlagethema Fußball entdeckt
Das runde Leder fürs Depot

Fußball ist unser Leben – und unsere Anlagestrategie. Das sollte man zumindest meinen im Land der Hobbykicker und Feierabendmannschaften. Erst recht vor der kommenden Fußball-WM sollten sich nicht nur Fans, sondern auch Anleger für den deutschen Nationalsport interessieren. Doch während sich die Marketing-Truppen der Fifa schon warm laufen, sitzt die Finanzbranche noch mit kalten Muskeln in der Kabine.

HB DÜSSELDORF. Dabei propagieren die Banken seit Jahren Investments in „Themen“, statt in einzelne Wertpapiere. Pakete mit griffigen Titeln sollen Anleger locken: Investments in Schwellenländer oder Rohstoffe verkaufen sich besser als eine langweilige Unternehmensanleihe oder die Aktie eines Mittelständlers. In bunten Broschüren preisen sie alle möglichen Investmentideen an. Nur beim Fußball können sie offenbar nicht mitreden. Was ist nur mit den Bankern los?

Aus der sonst so kreativen Zertifikatebranche wagt sich lediglich ein Emittent in die Niederungen des Stadionrasens: Die Düsseldorfer WestLB. Die Bank hat ein Zertifikat auf dem Markt, das die wirtschaftlichen Effekte der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland abbilden soll. Wer bei der Emission im Jahr 2000 schon auf die WM im eigenen Land gewettet hat, der kann sich jetzt über eine satte Rendite freuen. Der Ausgabepreis des Papiers lag bei 102 Euro, inzwischen kostet es 265 Euro.

Das Zertifikat bezieht sich auf elf Aktien, die bei Auflegung des Papiers im Jahr 2000 als mögliche WM-Gewinner galten. Mit dabei sind zum Beispiel die Aktie der Holsten-Brauerei und die Kinowelt AG von Michael Kölmel, dem bis vor kurzem das Leipziger Zentralstadion gehörte. Auch die Titel der Baukonzerne Bilfinger Berger und Hochtief, die von den Stadionneubauten profitiert haben, sind mit im Depot. Nicht fehlen dürfen natürlich die Aktien der Sportartikelhersteller Puma und Adidas.

Doch nicht nur deutsche Aktien, sondern auch europäische Werte könnten von der Fußball-WM auf dem Kontinent profitieren. Seit Mitte Mai zieht der Stoxx-Football-Index, in dem die Titel der großen Fußballclubs versammelt sind, deutlich an. Nun gut, seit 2002 haben die Aktien der Fußballclubs mehr als 40 Prozent an Wert verloren, und auch die einzige deutsche Aktie im Index, Borussia Dortmund, hat den Anlegern vor allem Verluste beschert. Aber: Von einem niedrigen Niveau aus haben die Titel jetzt Luft nach oben. Zwar werden die Fußballaktien wohl kaum mehr in die Höhen der Neue-Markt-Zeiten steigen. Und wer direkt in Borussia Dortmund investiert hat, der kann sich über Themeninvestments in Fußball auch nicht so recht freuen. Für die Anleger könnte sich der Einstieg vor der Weltmeisterschaft aber trotzdem lohnen. Mit knapp unter 100 Punkten liegt der Stoxx-Football fast auf seinem Ausgangsniveau von 1991. Wo bleibt das Zertifikat auf den Fußball-Index?

Solch ein Papier haben nicht mal die fußballbegeisterten Zertifikate-Experten der West LB im Angebot. Sie denken eher an die WM 2010 in Südafrika. In dem neuen Zertifikat haben sie – ähnlich wie in der deutschen Variante – Aktien aus Tourismus, Baugewerbe und Konsumgüterbranche versammelt. Natürlich ist so ein Papier auf südafrikanische Aktien eine ziemlich spekulative Sache. Wer aber an die Macht des runden Leders glaubt, lässt sich davon bestimmt nicht abschrecken. Noch bis zum 22. Juli bietet die Bank das Zertifikat zur Zeichnung an. Danach kann es jederzeit im Freiverkehr an den Börsen in Frankfurt und Stuttgart gekauft werden.

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