Kaum Rendite
Anleihen: Trügerische Hoffnung

Ach, was hatte man es lange nicht mehr gehört, das Argument von den Anleihen als sicherer Anlagehafen. Nach dem jüngsten Absturz an den globalen Aktienmärkten kam es aber wieder voll zum Tragen: Wenn die Aktienmärkte einbrechen, dann greifen Anleger zu Renten. Die Logik, die dahinter steckt ist simpel - aber trügerisch.

FRANKFURT. Wer Anleihen von soliden Staaten kauft, hat weniger Chancen auf Gewinne, trägt aber auch weniger Risiken als bei der Anlage in Aktien oder auch Rohstoffen und Devisen. Denn wer Renten kauft, bekommt sein Geld am Ende der Laufzeit zurück und erhält als Kreditgeber zwischenzeitlich Zinsen. Deshalb greift das Argument vom sicheren Hafen, wenn sich die Aussichten für die Aktienmärkte eintrüben – sei es durch pessimistischere Konjunkturerwartungen, schlechtere Gewinnaussichten für Unternehmen oder auch durch Ängste vor Terror und Krieg.

Die Hoffnung, dass Anleihen weiter von der Nervosität an den Aktienmärkten profitieren werden, ist jedoch trügerisch. Zehnjährige deutsche Bundesanleihen zum Beispiel bringen aktuell eine Rendite um 3,9 Prozent. Das liegt unter dem zehnjährigen Durchschnitt von 4,5 Prozent.

Dieses Niveau dürften die Renditen in diesem Jahr zwar nicht erreichen; dennoch spricht viel dafür, dass die Kapitalmarktzinsen leicht steigen und die Kurse der Festverzinslichen damit leicht fallen werden. Im zehnjährigen Bereich rechnen viele Strategen zum Jahresende mit Renditen von etwas über vier Prozent. Dafür sprechen mehrere Gründe. So liegen die Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB) nach den Anhebungen seit Dezember 2005 bei 3,75 Prozent und damit nur geringfügig unter der Verzinsung für langfristige Staatsbonds. Die meisten Volkswirte gehen davon aus, dass die EZB den Leitzins im Sommer auf vier Prozent erhöht. Dies spiegeln die Kapitalmarktzinsen noch nicht wider.

Konjunkturell wird erwartet, dass sich die Wirtschaft in den USA unter anderem wegen der Schwäche am Immobilienmarkt leicht abkühlt, eine Rezession – die Bonds stützen würde – wird aber nicht mehr befürchtet. Für den Euro-Raum haben einige Ökonomen die Wachstumsprognosen erhöht.

Diese Aussichten machen Rentenfonds nicht gerade attraktiv. Denn deren Wert schwankt mit der Entwicklung der Kapitalmarktzinsen. Im vergangenen Jahr als die langfristigen Anleiherenditen um 0,65 Prozentpunkt stiegen, machten Euro-Rentenfonds im Schnitt Verluste von 0,3 Prozent. Dieses Jahr könnte etwas besser ausgehen, große Gewinne sind aber – sicherer Hafen hin oder her – nicht zu erwarten.

Anleger, die Sicherheit wollen, tun deshalb besser daran, ihr Geld statt in Fonds, in kurzlaufenden Anleihen oder Festgeld zu parken. Wer dann bis Ende der Laufzeit wartet, bekommt zwar nur geringe Zinsen, dafür ist das Verlustrisiko gleich Null. Zudem ist der Abstand zwischen kurz- und langlaufenden Anleihen so gering, dass sich die Investition in Langläufer nicht lohnt.

Andrea Cünnen
Andrea Cünnen
Handelsblatt / Finanzkorrespondentin
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