Kaum zu glauben: Der Feiertagshandel etabliert sich
Den Trend bestätigt

Die Skeptiker wird es beruhigen: Das Thema Feiertagshandel ist für dieses Jahr durch. Der Tag der deutschen Einheit am 3. Oktober, an dem die deutschen Börsen seit dem Jahr 2000 ebenfalls geöffnet haben, fällt in diesem Jahr auf einen Sonntag. Damit ist die alljährlich wiederkehrende Diskussion über Sinn und Unsinn geöffneter Börsen an insgesamt vier Feiertagen im Jahr vorerst mal wieder zu Ende.

FRANKFURT/M. Der Handel an Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag und Fronleichnam bestätigte jedoch in diesem Jahr den Trend, der bereits im vergangenen Jahr einsetzte: Der einst als „leidiges Thema“ titulierte Feiertagshandel, an dem in früheren Jahren Langeweile und Zufallskurse herrschten, hat sich im Jahre fünf seines Bestehens weitgehend etabliert. Das bestätigen die reinen Zahlen: Zwischen 50 und 75 Prozent im Vergleich zu einem durchschnittlichen Handelstag liegt das Umsatzvolumen auf der elektronischen Handelsplattform Xetra an einem Feiertag.

Allerdings gilt es, auf Nuancen zu achten. Die Handelsaktivität an Feiertagen hängt sehr stark davon ab, wie viele andere Börsenplätze weltweit geöffnet haben. Folglich ist der 3. Oktober gewöhnlich der handelsstärkste der vier Feiertage. Zum Vergleich: Am Pfingstmontag war der Handel auf Xetra kaum der Rede wert, weil in den USA gleichzeitig der „Memorial Day“ gefeiert wurde und die Wall Street geschlossen blieb. Lediglich ein Volumen von rund 600 Mill. Euro wurden nach Auskunft der Deutschen Börse an diesem Tag umgesetzt, während es am 3. Oktober 2003 rund 3,7 Mrd. Euro waren. Von Zufallskursen kann bei solchen Volumina schon lange keine Rede mehr sein.

Kein Wunder, dass sich die Börse bei dem oft geäußerten Vorwurf „Muss die Börse ausgerechnet am Nationalfeiertag geöffnet haben“, schwer tut, von ihrer bisherigen Position abzurücken. Man hält statt dessen dagegen, dass mehr als die Hälfte aller europäischen Handelsplätze an ihrem jeweiligen Nationalfeiertag geöffnet haben, sogar die Pariser Börse.

Die Umsatzzahlen zum Feiertagshandel belegen aber auch, dass der Handel auf Xetra längst wesentlich stärker international geprägt ist, als dies vielerorts bewusst ist. Eine große Anzahl derer, die dort ihre Orders aufgeben, sitzt nicht mehr in Deutschland, sondern gehört zu der großen Schar der institutionellen Handelshäuser, die börsentäglich 24 Stunden dabei sind. Angefangen von den Märkten in Fernost über den Handel in Europa geht es weiter in die USA. Anschließend beginnt das Spiel von vorne, unabhängig davon, ob in einem Land gerade Feiertag ist oder nicht.

Trotzdem wird das Handelsvolumen an einem Feiertag nie die Dimension annehmen wie sie ein durchschnittlicher Handelstag hat. Dazu fehlen zum einen die Privatanleger, die an Feiertagen im wahrsten Sinne des Wortes lieber feiern gehen. Zum anderen arbeiten auch regionale kleine Fondsgesellschaften oder Anlageberater bestenfalls mit einer Notbesetzung, so dass auch deren Orders nur eine unbedeutende Rolle spielen.

Wer bislang noch gehofft hatte, dass sich das Thema Feiertagshandel irgendwann mangels Interesse der Investoren von selbst erledigen würde, der muss seine Hoffnung wohl begraben. Vermutlich auch die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi: Die fordert mit schöner Regelmäßigkeit auch in diesem Jahr wieder die Einstellung des Feiertagshandels und droht nun sogar mit einer Klage vor dem Bundesverfassungsgericht. Es ist jedoch kaum davon auszugehen, dass der Feiertagshandel auf Anweisung aus Karlsruhe eingestellt wird. Der Markt jedenfalls hat sich längst dafür entschieden.

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