Kein Merkel-Bonus
Wahlkampf lässt Anleihemärkte kalt

Auf den ersten Blick scheint der Zusammenhang ganz klar zu sein: Seit Bundeskanzler Gerhard Schröder am 22. Mai Neuwahlen verkündete, haben nicht nur die Aktien-, sondern auch die Anleihemärkte kräftig gewonnen.

HB FRANKFURT. Dabei gilt bei Anleihen die sich gegenläufig zum Kurs entwickelnde Rendite als Maßstab für die Marktentwicklung. Und die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe hat seit dem Neuwahl-Coup sage und schreibe zwölf Rekord-Tiefs hintereinander markiert. Zwischendurch stiegen die Renditen zwar auch wieder, aber gestern – gut zwei Wochen vor der Wahl – nach der die Demoskopen eine CDU-Kanzlerin Angela Merkel vorhersagen – markierte die zehnjährige Bund-Rendite mit 3,06 Prozent einmal mehr ein historisches Rekordtief.

Doch anders als bei Aktien haben die Kursgewinne der deutschen Anleihen nach einhelliger Meinung von Volkswirten und Rentenhändlern mit den Aussichten auf einen Regierungswechsel rein gar nichts zu tun. Die Bund-Rendite eilte schon lange vor den angekündigten Neuwahlen von Tief zu Tief. Und langfristig gesehen liegen die Renditen seit über 20 Jahren im Abwärtstrend – gleich unter welcher Regierung.

Das liegt daran, dass für die Anleihemärkte vor allem die globalen Entwicklungen und nicht die Gewinnaussichten deutscher Unternehmen bestimmend sind. Die Wirtschaft in der Euro-Zone wächst schon lange nur mäßig, und am anhaltenden Aufschwung in den USA wecken unter anderem der ständig steigende Ölpreis und die immer höhere Verschuldung der amerikanischen Verbraucher Zweifel. Dabei lässt eine schwache Konjunktur Investoren verstärkt zu Staatsanleihen greifen, bei denen die Rendite zwar mager aber zumindest bis zur Fälligkeit genau kalkulierbar ist. Zudem ist das Ausfallrisiko bei Staatsanleihen der Industrienationen quasi gleich Null.

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