Kein Schnäppchen
IPO von Net Mobile ist mehr als zehnfach überzeichnet

Trotz der Bombenanschläge in London wagt sich das Düsseldorfer Unternehmen Net Mobile am kommenden Dienstag in den Freiverkehr der Münchner Börse. Die Technologiefirma, die Plattformen für den Vertrieb von Handy-Spielen, Klingeltönen und anderen mobilen Inhalten herstellt, bringt inklusive Mehrzuteilungsoption 2,2 Mill. Aktien an den Markt. Wegen der großen Nachfrage – die Emission war mehr als zehnfach überzeichnet – hat die Konsortialbank VEM die Bücher bereits vergangenen Dienstag geschlossen. Investoren erhalten die Aktien zu einem Preis von 8,50 Euro. Am Graumarkt werden die Stücke per Erscheinen schon mit einem Kurs von rund elf Euro taxiert.

Angesichts derlei Begehrlichkeiten scheinen die Probleme aus dem vergangenen Jahr fast vergessen: Im Frühjahr 2004 verklagte die Musikindustrie die Firma wegen Urheberrechtsverletzung und fehlerhafter Abrechnungen. Net Mobile bemühte seinerzeit die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young, die in einem Gutachten die Vorwürfe entkräfteten. Dennoch kratzten die Ermittlungen der Düsseldorfer Staatsanwaltschaft am Ruf des Unternehmens und hinterließen auch in der Gewinn– und Verlustrechnung ihre Spuren: Im vergangenen Geschäftsjahr verbuchte die Firma noch einen operativen Verlust in Höhe von 5,2 Mill. Euro.

Dabei überzeugt Net Mobile die Anleger mit einem simplen Geschäftsmodell: Die Firma verkauft ihre technischen Plattformen an Mobilfunkbetreiber, Musikverlage und Internetportale, die darauf ihre Inhalte dem Endkunden anbieten. Die Net-Kundenliste kann sich sehen lassen – Sony BMG, Warner Music, EMI, Vodafone und E-Plus arbeiten unter anderen mit den Düsseldorfern zusammen. Und an jeder Transaktionen mit deren Endkunden verdient Net Mobile mit. Bezahlt beispielsweise ein Teenager für einen Klingelton einen Euro an seinen Anbieter, kassiert Net Mobile davon 20 bis 50 Cent – ohne dass Net Mobile dafür viel Geld für Rechte oder Werbung ausgeben muss.

Angesichts dieser Margen ist es allerdings kein Wunder, dass immer mehr Unternehmen mit ähnlichen Geschäftsmodellen auf den Markt drängen. Mit dem Emissionserlös in Höhe von mehr als 17 Mill. Euro will Net Mobile denn auch fast ausschließlich zur Finanzierung seines Wachstumskurses verwenden, um den eigenen Marktanteil in diesem schnellen Geschäft auszubauen. Schätzungen seriöser Anbieter zufolge sollen allein die Umsätze mit Klingeltönen von heute 800 Mill. Euro auf drei Mrd. Euro im Jahr 2008 steigen. Im gleichen Zeitraum sollen sich die Erlöse mit Handy-Spielen von zwei Mrd. Euro auf fünf Mrd. Euro mehr als verdoppeln.

Dass allerdings in diesem Markt ambitionierte Planziele schnell Makulatur sein können, davon wissen die Aktionäre der ehemals am Neuen Markt gelisteten Wapme AG ein Lied zu singen. Statt stark zu wachsen, rutschte das Unternehmen, das ein ähnliches Geschäftsmodell wie Net Mobile besitzt, tief in die roten Zahlen. Der Kurs hat sich in den vergangenen vier Jahren annähernd gesechstelt.

Net Mobile plant im laufenden Geschäftsjahr (30.9.) mit Umsätzen in Höhe von 33 Mill. Euro. Im kommenden Jahr sollen es 63 Mill. Euro sein. Dann will Net Mobile auch erstmals schwarze Zahlen schreiben, zumindest vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Auf Basis des Emissionskurses errechnet sich angesichts der Wachstumsraten ein moderates Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) in Höhe von 17. Auch wenn davon auszugehen ist, dass der erste Kurs über dem Ausgabepreis liegt, ist das vertretbar. Die Aktie ist damit aber eben auch kein Schnäppchen.

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