Bulle + Bär
Keine Glückssache

Was Anleger bei der Fondsauswahl beachten sollten.

Die Gewinner von heute sind nicht selten die Verlierer von morgen: Eine Studie der SJB FondsSkyline aus Korschenbroich hat gezeigt, dass „Fondsmanager des Jahres“ oft die hohen Erwartungen in den Folgejahren nicht erfüllen. Danach schaffen es neun von zwölf Siegerfonds nicht, in den zwei Folgejahren unter den ersten fünf ihrer Vegleichsgruppe zu landen.

Sollen Anleger daraus folgern, dass es pures Glück ist – für sie wie für die Fondsmanager –, wenn ein Fonds mal vorne liegt, so dass ihre Kaufentscheidung Lottospielen gleichkommt? Die Antwort lautet: Nein. Wer einige Punkte bei der Fondsauswahl beachtet, hat tendenziell bessere Karten, gute Ergebnisse zu erzielen. Erstens sollten Investoren nicht nur auf die Kursentwicklung eines Jahres blicken, wenn sie sich für einen Fonds entscheiden, sondern einen längeren Zeitraum betrachten. So meint etwa Oliver Raab von der Ratingagentur Standard & Poor’s (S & P), Anleger sollten zumindest die Performance über drei Jahre begutachten. Raab: „In dieser Zeit kann es an der Börse schon einmal hoch und runter gehen – und der Fondsmanager kann zeigen, ob er die Lage im Griff hat.“

Zweitens sollten Investoren beim Fondskauf nicht nur auf die Entwicklung in der Vergangenheit achten, sondern auch auf qualitative Kriterien wie etwa die Ausbildung des Fondsmanagers und die Dauer seiner Branchenerfahrung. Diese Kriterien sind nämlich viel bessere Indikatoren dafür, ob bei Fonds künftig hohe Renditen zu erwarten sind.

S &P etwa erstellt so genannte qualitative Fondsratings. In die Noten fließt unter anderem auch die Einbindung des Teams um den Fondsmanager ein. Raab: „Da ist zum Beispiel wichtig, ob der Fondsmanager bei Fehlzeiten oder sonstigen Ausfällen einen Back-up-Manager hinter sich hat, der ihn sofort kompetent vertritt, oder ob die Fortführung seiner Strategie durch die Aufgabenverteilung im Team gesichert ist.“ Dies ist ein wichtiger Punkt: Oft sackten Fonds der großen Stars ab, wenn deren Manager wechselten; das geschah zum Beispiel, als Jürgen Kirsch 1997 den Mercury Eastern European Fonds abgab.

Für die Qualität eines Fondsmanagers – und damit auch eine bessere Gewinnentwicklung in der Zukunft – spreche auch ein stetiger Austausch mit Analysten, erklärt Wolfgang Kaiser, Analyst bei FondsConsult. Die Fondsratings der Münchener enthalten auch qualitative Kriterien.

Dagegen sieht es Kaiser mit gemischten Gefühlen, wenn ein Fondsmanager gleichzeitig Chief Investment Officer ist: „Das spricht zwar dafür, dass er Verantwortung übernehmen kann, gleichzeitig aber können ihn seine Managementaufgaben von den Anlagefragen ablenken.“ Dann gilt es, diejenigen, die tatsächlich über die meisten Anlagefragen entscheiden, unter die Lupe zu nehmen.

Was ebenfalls wichtig ist und sich in den Ratings von FondsConsult niederschlägt ist, ob der jeweilige Investmentansatz konsistent verfolgt wird. Zumal das Etikett des Fonds für die Kaufentscheidung des Investors wichtig ist. Schließlich muss der Anleger ja seiner Risikoneigung entsprechend wählen, ob er lieber mit viel Risiko – aber auch höheren Renditechancen – auf Wachstumstitel setzen will oder die weniger schwankenden Substanzwerte vorzieht. Das Fondsrating kann also zwar ein gutes Hilfsmittel bei der Auswahl sein, nicht aber das alleinige Entscheidungskriterium. Der Anleger muss immer auch seine Risikoneigung einbeziehen. Für Investoren, die diese Faktoren berücksichtigen, ist der Fondskauf jedenfalls keine reine Glückssache.

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