Keinerlei Anzeichen für eine Entspannung
Öl bleibt teuer

Saudi-Arabien hat eine Kehrtwende in seiner Ölpolitik vollzogen. Der Ölminister des wichtigsten Förderlands, Ali al-Naimi, sorgte mit einer Äußerung in einem Fernsehinterview für Aufsehen, wonach der Ölpreis im Jahresverlauf wohl dort bleibt, wo er jetzt ist: „zwischen 40 und 50 Dollar je Fass“.

HB LONDON. Auf den ersten Blick ist dies eine nüchterne Bestätigung der aktuellen Marktlage. Es ist jedoch mehr: Über Jahrzehnte hatte der größte Ölproduzent der Welt aus Rücksichtnahme auf die „Freunde“ in den USA beteuert, Öl nicht so teuer werden zu lassen, dass die Volkswirtschaften des Westens übermäßig belastet werden. Auch wurden akute Versorgungsengpässe mehr als einmal durch zusätzliche Förderung ausgeglichen. Für Riad hatte diese Politik der Mäßigung in ureigenstem Interesse gelegen. Denn ein zu hoher Ölpreis würde die Weltnachfrage auf Dauer beeinträchtigen und letztlich die Umstellung auf andere Energieträger vorantreiben – dies mit möglicherweise katastrophalen Folgen für das Königreich. Dessen riesige Ölreserven sollen bei dem gegenwärtigen Fördertempo immerhin noch für die nächsten 86 Jahre das Einkommen der Nation sichern.

Nun scheint die Opec die Furcht vor den Auswirkungen hoher Ölpreise verloren zu haben. Hinter dem Frontwechsel zu den so genannten Preisfalken des Ölkartells stehen nach einer Analyse des Londoner Zentrums für Energiestudien, CGES, auch innenpolitische Gründe. Die Regierung habe einen zunehmend schweren Stand gehabt, ihre Freundschaftspolitik gegenüber den Amerikanern in Sachen Öl zu rechtfertigen. Dies gelte für die Entwertung der Öleinnahmen durch den schwachen Dollar, aber auch wegen des wachsenden Widerstands breiter Bevölkerungskreise gegen die Nahostpolitik Washingtons.

Und last but not least, die Saudi-Arabien braucht dringend anhaltend hohe Öleinnahmen zur Finanzierung des Haushalts. Damit kommen die Äußerungen Naimis einer offiziellen Erhöhung des Opec-Preisziels gleich. Bisher strebte das Kartell offiziell eine Preisspanne von 22 bis 28 Dollar je Barrel (159 Liter) an.

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