Klein, aber fein
„Small Caps“ bringen häufig eine hohe Rendite

Kleinvieh macht auch Mist. Zumindest wenn man sich die Entwicklung der Investmentfonds betrachtet, die in Aktien niedrig kapitalisierter Unternehmen investieren.

LONDON. Diese Anlageform hat in Europa im zweiten Quartal durchschnittlich mehr als 20 % gebracht – das ist Spitze unter allen Anlagegattungen, urteilt Standard & Poor’s.

Als „Small Caps“ gelten Aktien mit einer Marktkapitalisierung von weniger als 3 Mrd. Euro. Ihren Aufschwung verdanken sie vorwiegend zwei Faktoren: Zum einen werden die Investoren wieder risikofreudiger, da die Kursschwankungen an den Finanzmärkten abnehmen. Zum anderen sind Anlagen gesucht, die eine höhere Rendite abwerfen, sagt Chris Wane, Aktienstratege bei der Deutschen Bank in London. „Wir denken, dass Aktien kleiner und mittelgroßer Unternehmen an der Börse immer noch relativ günstig zu haben sind.“

Investoren in dieser Kategorie hielten ihre Anteile meist für längere Zeit, deshalb sei die jüngste Aufwärtsbewegung keine Modeerscheinung, meint Emmanuel De Figueiredo, Leiter des Research- Teams für Small- und Mid-Cap-Aktien bei Morgan Stanley. Die große Zahl der Unternehmen – besonders in Großbritannien – die sich im Rahmen eines „Going Private“ vom Kurszettel verabschieden, ist für ihn ein Beweis, dass solche Aktien unterbewertet sind.

Dan LeVan, Portfolio-Manager für den 65,2 Millionen Euro schweren Mellon Small Cap Euroland- Fonds, weist drauf hin, dass ein Zyklus für kleine Börsenwerte üblicherweise über drei Jahre läuft. Gegenwärtig habe man schon zwei Drittel des Weges zurückgelegt. „Wir hatten eine sehr große Rally im zweiten Quartal. Ich denke, dass ein Wirtschaftsaufschwung und eine Erholung der Unternehmensgewinne schon in den Kursen eingepreist sind. Jetzt muss der restliche Jahresverlauf zeigen, ob die Rechnung aufgeht.“

Die Aussichten auf weitere Kursgewinne sind aber nicht das einzige Argument für Nebenwerte-Fonds. Viele Finanzberater sagen, dass in einem diversifizierten Depot bis zu 10 % an Small Caps Platz haben. Insgesamt gibt es 165 Nebenwerte- Fonds, die in Europa anlegen. Wenn man sie auf ihren Erfolg hin untersucht, stößt man auf den DWS Zurich Invest Aktien Europa Select. Portfolio-Manager Gero Olbertz schaffte im ersten Halbjahr eine Performance von 11,74 %. In den vergangenen drei Jahren konnte sich der Fonds immer im oberen Viertel seiner Anlage-Klasse platzieren. Olbertz konzentriert sich auf Unternehmen, die eine Dividende zahlen, eine solide Bilanzstruktur vorweisen, über wenig Schulden und ein gutes Management verfügen. Zu seinen Favoriten gehört der deutsche Spezial-Maschinenbauer Böwe Systec. Das „sehr, sehr konservative Management“ füge sich perfekt in seine Investment-Strategie ein. „Und sie können es sich immer noch leisten, eine schöne Dividende zahlen.“

Arnaud Stenuit, Fondsmanager des Dexia Invest EMU Small Cap, baut auf den langfristigen Anlageerfolg und setzt auf Unternehmen, die vom Älterwerden der Baby- Boomer-Generation profitieren sollten. Er bevorzugt den deutschen Generika-Hersteller Stada und das französische Unternehmen Medidep, das sich um die Versorgung im Alter kümmert. Außerdem sucht er nach Nischenanbietern wie etwa dem französischen Luxus-Yacht-Anbieter Rodriguez Group. „Solche Titel sind vollkommen unabhängig vom Konjunkturzyklus.“ Stenuit schaut auch auf Ausschüttungen, weil die Hälfte der Performance am Aktienmarkt aus der Dividendenrendite herrühre.

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