Kleine Liste an kapitalen Fehlleistungen
Prognosen und andere Fehlleistungen

Es folgt eine kleine Liste an kapitalen Fehlleistungen von Analysten und Datendeutern – weil diese Liste schon bald um einen Meilenstein bereichert sein könnte: die (Fehl-)Einschätzung des Rentenmarkts. Anzeichen, dass die Trendwende bei den Staatsanleihen eingeleitet ist, mehren sich, während die Mehrheit der Analysten noch mit niedrigen oder sinkenden Renditen rechnet.

FRANKFURT. Schief lagen die Profis beim Ende der Aktienhausse im Frühjahr 2000. Nur wenige hatten die Kursstürze vorhergesagt. In der Folge konnten Anleger mit dem Dax bis zu 73,1 % verlieren, mit einigen heute fast vergessenen New-Economy-Werten wie Ariba oder Commerce One bis zu 99,3 % und 99,9 %.

Ein anderes Beispiel ist Gold. Wen interessiert schon Gold? Jahrelang in den 90ern zu Recht kaum jemanden. Der Preis sank oder stagnierte. Doch seit 1999 stieg der Goldpreis um zeitweise fast zwei Drittel – unbeachtet von den Strategen. Erst vor Beginn des Irak-Kriegs empfahlen sie Gold zum Kauf. Zu spät: Der Preis ist wieder gesunken.

Apropos Irak-Krieg: Viele werden sich erinnern, dass nahezu alle Analysten für die Zeit nach dem Krieg Ölpreise unter oder um die 20 $ je Barrel prophezeit hatten, weil ja das viele Öl des Irak den Markt überfluten werde. Tatsächlich notiert Rohöl heute bei 28 $.

Auch Notenbanker irren. Als Beispiel muss Toshihiko Fukui herhalten, Chef der Bank von Japan. Fukui sagte vor einem Monat: „Es gibt keine Blase bei japanischen Staatsanleihen.“ Tage später machte es „plopp“, und geplatzt war die Blase, die es angeblich gar nicht gab. Die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen verdreifachte sich.

Böser Wille wird den Analysten nur selten zu unterstellen sein (wie Analysten von Merrill Lynch, die Aktien nach außen wärmstens empfahlen und intern feixend als „Müll“ bezeichnet hatten). Doch es sollte nicht zu viel verlangt sein, dass es sich nicht dauerhaft vermögensmindernd auswirkt, wenn man den Urteilen der Profis folgt. Interessant wird sein, welche Analysten neben Sachverstand den Mut aufbringen, bei den Anleihen rechtzeitig zu den Bären zu wechseln. Denn Mut gehört dazu, um gegen die Masse einen Trendwechsel nicht nur zu sehen, sondern auch beim Namen zu nennen.

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