Knappheit und Klima sprechen für Agrarprodukte
Ernte einfahren

Die Rohstoffhausse hält an – trotz der jüngsten Preisberuhigungen beispielsweise am Ölmarkt. Auffällig ruhig ist nur der Markt für landwirtschaftliche Produkte. Es tut sich kaum etwas bei den Dingen, die man anbauen muss.

FRANKFURT/M. Anlegern mit Wertpapiervergangenheit fällt es schwer, in Dingen wie Sojabohnen, Weizen oder Kaffee, die für den eigenen Magen bestimmt sind, Renditechancen zu wittern. Doch vielleicht helfen Zahlen von UBS. Die Experten der Großbanken haben ausgerechnet, wie weit einzelne „Commodities“ von ihrem Hoch während der letzten 25 Jahre entfernt sind – inflationsbereinigt. Die Energiepreise liegen im Schnitt schon bei 80 Prozent ihrer Top-Werte. Tief am Boden dagegen sind die landwirtschaftlichen Produkte: Kaffee wird trotz der jüngsten Steigerungen nur zu 15 Prozent seines inflationsbereinigten Höchstpreises gehandelt, Zucker geht bei gerade einmal fünf Prozent um, Weizen wird heute fast verschenkt.

Einige Experten rühren jetzt die Trommel für die vernachlässigten Rohstoffe. Klaus Martini ist ein Freund von „Soft Commodities“. Der Leiter des weltweiten Privatkundengeschäfts der Deutschen Bank argumentiert auch in diesem Fall mit dem China-Faktor. Nur dass es hier nicht die temporeiche Industrialisierung ist, die die Preise von Industriemetallen wie Kupfer und Zink nach oben katapultiert.

Es sind zwei damit verbundene Nebenwirkungen. Zum einen heizt der Aufbau von Mega-Städten wie Schanghai die Landflucht an. Die Bauern wandern ab. Zum anderen führt das rasante Wirtschaftswachstum zu mehr Wohlstand. Die 1,3 Milliarden Chinesen werden deshalb sicher mehr und auch besser essen wollen. Es wird mehr Fleisch auf den Tisch kommen. Aber die Anbauflächen für Tierfutter könnten knapp werden, sagt Martini. Das Knappheitsargument gilt auch für das lebenswichtige und für die Produktion entscheidende Wasser. So trifft vieles aufeinander: steigende Nachfrage, wegen der Landflucht aber tendenziell geringere Ernten, nur begrenzte Möglichkeiten zur Erweiterung der Anbauflächen. Und China importiert in einigen Bereichen bereits Nahrungsmittel.

Jetzt erhält die These von der Zukunftsanlage Soft Commodities neue Nahrung. Fast unbemerkt von der Öffentlichkeit legte eine Gruppe von etwa 1 400 Wissenschaftlern, die unter anderem im Auftrag der Vereinten Nationen arbeiteten, die Ergebnisse einer vierjährigen Studie über den globalen Zustand der natürlichen Ressourcen vor. Das Ergebnis ist niederschmetternd: Die Lebensräume werden unwiederbringlich geschädigt. Aber gerade sie liefern die lebensnotwendigen Ressourcen. Sie stellen die Grundlagen zur Produktion von Nahrungsmitteln, reinigen Luft und Wasser.

Zur globalen Lagebestimmung passen die aktuellen und erwarteten Klimaveränderungen – mit preistreibender Wirkung. So leiden beispielsweise die beiden größten Anbauländer für Kaffee, Brasilien und Vietnam, unter einer Dürre. Das Gleiche gilt für Australien, einen der größten Weizenproduzenten. Und die Situation könnte sich leicht zuspitzen. Das meteorologische Institut Australiens warnte vor wenigen Tagen vor „El Niño“. Die Fachleute des Instituts sehen die Wahrscheinlichkeit für ein derartiges Klima-Phänomen steigen. Dann würden sich Wolken und Feuchtigkeit aus dem westlichen, pazifischen Raum zusammen mit warmen Oberflächenschichten des Wassers in Richtung Südamerika bewegen. Die Folgen wären Trockenheit in der asiatisch-pazifischen Region und Überflutungen in Südamerika.

Agrarprodukte könnten daher knapper werden und das bei steigender Nachfrage. Anlageguru Marc Faber hat den erwarteten Nachfrageschub aus den großen Schwellenländern an einem Beispiel illustriert: Deutsche und Schweizer trinken pro Kopf 50-mal mehr Kaffee als die Chinesen – heute noch. Aber es gibt etwa 16-mal mehr Chinesen als Deutsche. Wenn die erst einmal durstig werden ...

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