Kolumne: Bulle & Bär
Alle sind glücklich

An der Indexentscheidung der Deutschen Börse gab es am Tag danach keine Kritik.

Wenn nach einer wichtigen Entscheidung keinerlei Widerspruch kommt, kann sich ein Gremium sicher sein, alles richtig gemacht zu haben. So geschehen gestern, als die Indexentscheidung der Deutschen Börse von allen Seiten gelobt wurde. Analysten und Strategen, Händler und Investoren, sie alle sahen in der Auswechslung von MLP nach nur zwei Jahren Dax-Zugehörigkeit zugunsten von Continental die richtige Maßnahme. Zumal der Finanzdienstleister bereits zum vierten Mal auf der Kippe stand und nun „einfach fällig“ war, wie es ein Analyst formulierte.

So ganz klar war die Entscheidung im Vorfeld trotzdem nicht. Bekanntlich tut sich der Arbeitskreis Aktienindizes, der die Deutsche Börse bei diesen Entscheidungen berät, gerade bei Dax-Umstellungen schwer. „Index-Kontinuität“ heißt das Schlagwort, das überstürzte Beschlüsse verhindern soll. Das Pech von MLP war am Dienstag Abend wohl, dass es mit Continental einen Kandidaten gab, gegen den es im Gegensatz zu den anderen beiden schlicht nichts einzuwenden gab. Das war bei Beiersdorf und T-Online anders. Gilt doch der Kosmetik-Hersteller als Übernahmekandidat, und die jüngsten Querelen innerhalb der Großaktionärs-Familie Herz trugen ebenfalls nicht zur Vertrauensbildung bei. Auch T-Online war wenig gelitten, befinden sich doch nur 22,41 % der Aktien in den Depots freier Aktionäre. Der Großteil mit 71,9 % liegt jedoch in der Hand der Deutschen Telekom. Solange sich diese Eigentümerstruktur nicht ändert, dürften auch die Chancen von T-Online auf eine Dax-Aufnahme gering sein.

Als Verlierer muss sich Absteiger MLP trotzdem nicht fühlen: Erstens gerät das Unternehmen nun aus der Schusslinie, in der es sich als chronischer Abstiegskandidat bisher befand. Zweitens werden gerade die Hedge-Funds ihr Interesse an der äußerst volatilen Aktie verlieren. Und drittens hat das Management die Chance, den eingeleiteten Prozess zur Wiedererlangung des Investorenvertrauens fortzusetzen.

Insgesamt dürfte es nun in den kommenden Monaten erst mal zu keinen Veränderungen im Dax kommen. Was aber, wenn bei MAN die schwelenden Gerüchte um eine Übernahme der Lkw-Sparte doch Realität werden? Und was, wenn Puma weiter so ungezügelt seinen Höhenflug fortsetzt, dass sich die Herzogenauracher quasi für den Dax aufdrängen? Urplötzlich bestände Anpassungsbedarf.

Der ist in den nächsten Monaten wohl vor allem eine Stufe tiefer gegeben. Im MDax muss ab dem 22. September lediglich Teleplan seinen Platz räumen. Wegen des starken Kurseinbruchs seit April war ein Verbleib der Aktie nicht mehr tragbar. Umgekehrt führte der starke Kursanstieg von Comdirect dazu, dass die Aktie erste Wahl für den Aufstieg war. Kurios dabei: Bereits im Mai hatte die Deutsche Börse einen Vorratsbeschluss für den Fall getroffen, dass Wella nach der Übernahme durch Procter & Gamble aus dem Index fallen sollte. Als Nachrücker wurde die Indus Holding bestimmt. Die wurde bisher als erster Aufstiegskandidat gehandelt, ging nun jedoch leer aus. Comdirect und auch die Holsten Brauerei hatten Indus in der entscheidenden Rangliste überholt. Doch die Zeit für Indus wird kommen: Die Übernahme von Wella befindet sich in fortgeschrittenem Stadium.

Auch im TecDax ist nach der Indexentscheidung vor der Indexentscheidung: Plambeck, Medigene und Nordex müssen dort ihre Plätze räumen. Freenet, Teles und Süss Microtec rücken nach. Akut gefährdet war auch Lion Bioscience. Doch deren Glück war, dass mit Dialog Semiconductor nur noch ein Aufstiegskandidat bereit stand, der „gerade so“ die Kriterien erfüllte.

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