Kommentar
Gebeutelte Tech-Aktien

Fast alles endet gut. Nach überstandener Baisse schließt das vierte Börsenjahr in Folge mit ordentlichen Zuwächsen. Europäische Aktien stehen mehr als 15-, Deutsche mehr als 20 Prozent im Plus. Lediglich die Technologiebranche hat enttäuscht. Wieder einmal. In keinem anderen Sektor treten die Kurse in diesem Jahr nur auf der Stelle.

DÜSSELDORF. Überzogene Hoffnungen sind die Ursache dafür, dass High-Tech-Aktien wie schon in den Vorjahren zu den größten Enttäuschungen zählen.

Wären nicht die boomenden Aktien der vom Staat gepäppelten Solar-Unternehmen, die zweifellos mit glänzenden Geschäften und Ideen glänzen, stünde es um Deutschlands Technologiebranche noch weitaus schlechter. Dank Solarworld schafft es der TecDax immerhin ins Plus. Doch die Vorzeigebranche kann die schlechte Entwicklung der Technologie-Aktien insgesamt lediglich kaschieren.

Während Europas und Amerikas Branchen Quartal für Quartal die Erwartungen der Analysten schlagen, präsentiert der Technologiesektor regelmäßig schlechtere Ergebnisse, als Experten vorher glaubten. Diese berufen sich auf vermeintliche Detailkenntnisse über die Unternehmen und vor allem auf die Aussagen der Firmenmanager.

Auf diese Weise reduzierten sich seit Januar – seitdem drei der vier Quartalsergebnisse für das laufende Jahr vorliegen – die Erwartungen für Deutschlands Technologiebranche um mehr als 20 Prozent. Ähnlich sah es bereits in den vergangenen zwei Jahren aus. Und 2007 droht das nächste Desaster, weil die Investmentbanken den heimischen High-Techs erneut ein ambitioniertes Gewinnplus von mehr als einem Drittel prophezeien. Im Durchschnitt, wohlgemerkt. Dieser Trend ist übrigens nicht allein auf Deutschland bezogen. An der amerikanischen Nasdaq, der weltweit größten Technologiebörse, reduzierten sich die Erwartungen im Jahresverlauf um mehr als zehn Prozent.

Bis heute hält sich die absurde und im Internetboom entstandene Vorstellung, dass alle Firmen, die irgendetwas mit neuer Technologie zu tun haben, weitaus schneller wachsen als große Industrieunternehmen. Doch Jahr für Jahr beweisen Klassiker wie MAN, Conti oder BMW, dass sie genauso dynamisch und zum Teil schneller wachsen als Technologiefirmen.

Die Folgen sind gravierend. Aktien der Technologie-Unternehmen sind weitaus teurer und damit unattraktiver, als Anleger zumeist vermuten. Einfach deshalb, weil die Unternehmen weniger Gewinn pro Anteilsschein präsentieren, als die Finanzmärkte erwarten und berechnen. Anleger bestrafen die von Unternehmensmanagern oftmals mit optimistischen und schnittigen Worten geschürten und von Analysten mit vermeintlich harten Zahlen unterlegten Fehlprognosen mit Kursabschlägen. Daran wird sich solange nichts ändern, wie die Realität nicht hält, was die Prognose verspricht.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%