Konzern macht seine Hausaufgaben
Philips ist auf dem richtigen Weg

Der niederländische Elektronikkonzern hält trotz SARS und Umsatzeinbußen in den USA an Prognosen fest.

BRÜSSEL. Auf Berg- und Talfahrt verläuft der Aktienkurs des niederländischen Elektronikkonzerns Philips seit Jahresbeginn. Doch das ist nichts Neues, ist der Wert doch stark konjunkturabhängig und oft nicht von Hausgemachtem, sondern von den Stimmungen in der Branche abhängig. Das zeigt sich auch jetzt.

Mitte Mai schoss die Aktie in die Höhe und hat inzwischen etwa das Niveau vom Jahresbeginn von gut 17 Euro erreicht. Was war passiert? Vorstandschef Gerard Kleisterlee hatte gewarnt, nicht nur die Konjunkturflaute, sondern auch die Dollarschwäche schmälerten den Umsatz der Sparten Verbraucherelektronik und Halbleiter, vor allem in den USA. Eigentlich eine schlechte Nachricht, denn Philips erzielt dort fast ein Drittel seines Umsatzes. Dann aber kamen positive Signale aus dem Markt. Der französisch-italienische Chiphersteller STMicroelectronics, weltweit Nummer vier, bestätigte seine Prognose für das zweite Quartal. Weltmarktführer Intel enttäuschte ebenfalls nicht. Und die taiwanesische TSMC, an der Philips 22 % hält, verbuchte steigende Gewinne und sprach von einem gut gefüllten Auftragsbuch. Mehrere Analysten hoben daraufhin ihr Kursziel um drei Euro auf 22 Euro an.

Eine Unsicherheit bleibt: Das China-Geschäft steht wegen der Lungenkrankheit SARS unter Druck. Dort erzielt Philips neun Prozent oder drei Milliarden Euro seines Umsatzes. Die Produktion in der Volksrepublik steuert sogar 20 % zum Umsatz bei. Noch gibt es keine Anzeichen, dass SARS die Produktion gefährdet; würde das geschehen, hätte Philips ein Problem.

Abgesehen davon macht der Konzern seine Hausaufgaben: Die Kosten sinken kräftig, die Gewinne steigen stark. Zudem hat Kleisterlee seine Prognosen so vorsichtig formuliert, dass er daran nicht rütteln musste – wie etwa Motorola und Nokia, zwei wichtige Konkurrenten auf dem chinesischen Markt. Der Philips-Chef ließ sogar zwei offensichtlich unrealistische langfristige Ziele fallen: jährliche Gewinnmargen und Umsatzsteigerungen von je zehn Prozent jährlich. Die Anleger erschraken zwar. Doch Kleisterlee gab ein sinnvolleres Motto aus: „Gewinnwachstum geht vor Umsatzwachstum“. Dies ist zu loben, denn es dient den Aktionären und trägt zur nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit bei. Größe allein zählt nicht, wie der Börsenkrach lehrte.

Zudem will Kleisterlee dem Gemischtwarenladen durch eine weitsichtige Umstrukturierung ein Gesicht geben. Der Traditionskonzern konzentriert sich auf drei „Wertbereiche“: Lifestyle-Verbrauchsgüter, Gesundheit und Technologien. Die Sparten Unterhaltungselektronik, Haushaltsgeräte, medizinische Geräte, Licht und Halbleiter dürfen nicht mehr losgelöst voneinander arbeiten, sondern müssen eng kooperieren und einen gemeinsamen Absatzkanal nutzen. Das spart Kosten und stärkt die Marke.

Zudem profiliert sich der Konzern durch neue Produkte, die ihn „hip“ erscheinen lassen, wie digitale Kleinstkameras und tragbare MP3- Spieler in Zusammenarbeit mit dem Sportriesen Nike.

Der Konzern, der in den vergangenen zwölf Jahren rekordverdächtig stark zwischen Rekordgewinnen und -verlusten hin und her taumelte, ist auf gutem Wege, seine Rentabilität zu stabilisieren. Der jüngste Kursanstieg darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass Philips auch künftig von der Weltwirtschaft und dem Dollar abhängig bleibt. Anleger müssen akzeptieren, dass die Gewinne (noch) unvorhersehbar bleiben und die Aktie Risiken trägt.

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