Kostenlose Depots sollen Anleger langfristig binden
Teurer Aktionär

Weil die Depotgebühren für das Verwalten von Aktien bei Banken in der Regel zwischen einem viertel- und einem Prozent liegen und langfristig orientierten Anlegern ohnehin ein Dorn im Auge sind, bieten Aktiengesellschaften nun die kostenlose Verwaltung ihrer Aktien in der Schweiz an.

FRANKFURT/M. Der Idealtypus des Aktionärs aus Sicht der Unternehmen sieht etwa folgendermaßen aus: Als langfristig orientierter Anleger kauft er nach reiflicher Überlegung Aktien einer Gesellschaft, mit der er sich sowohl vom Inhalt als auch von der Strategie her identifizieren kann. Der langfristige Vermögensaufbau steht im Vordergrund. Anschließend freut er sich Jahr für Jahr über steigende Unternehmensgewinne. Kontinuierliche Kurszuwächse und eine ordentliche Dividende sind die Folge.

Das Gegenteil davon sind Kleinanleger mit ein paar Aktien, die mit Anfragen, Wünschen und Kritik ganze Stäbe von Investor-Relations-Mitarbeitern auf Trab halten. Kein Wunder, dass die erste Gruppe deutlich beliebter bei den Unternehmen ist und von deren Seite auch immer mehr getan wird, um deren angenehme Art zu würdigen.

Einen weiteren Schritt in diese Richtung geht man im Moment in der Schweiz. Weil die Depotgebühren für das Verwalten von Aktien bei Banken in der Regel zwischen einem viertel- und einem Prozent liegen und langfristig orientierten Anlegern ohnehin ein Dorn im Auge sind, bieten Aktiengesellschaften nun die kostenlose Verwaltung ihrer Aktien in der Schweiz an. Novartis war der Vorreiter, nun folgt die Bellevue Holding mit ihren in Deutschland bestens bekannten Gesellschaften BB Biotech und BB Medtech.

Deren BB Aktienplan, der in Zusammenarbeit mit dem Wertpapierabwickler SAG SIS Aktienregister AG, einer Art Clearstream der Schweiz, entwickelt wurde, soll einerseits Langfristanleger begünstigen und andererseits den Trend zur Langfristanlage verstärken. Zudem kann die Beteiligung an BB Biotech und BB Medtech schrittweise aufgestockt werden, um mindestens 350 Euro und höchstens 140 000 Euro im Jahr. Im Grunde funktioniert das System ähnlich wie bei der Bundeswertpapierverwaltung in Bad Homburg, die bereits seit langem die kostenlose Depotverwaltung von Bundeswertpapieren anbietet und damit den etablierten Banken einen Teil des Geschäfts abspenstig macht.

Einziger Nachteil: In den kostenlosen Depots kann der Anleger lediglich Aktien der jeweiligen Gesellschaft halten. Seine übrigen Anteile muss er weiterhin wie gewohnt bei seiner Hausbank im Depot verwalten. Der Aufwand lohnt sich also nur, wenn der Aktionär bereits eine nennenswerte Zahl an Stücken besitzt oder in Zukunft erwerben will. Genau auf dieses Klientel zielt das Angebot der Gesellschaften ab. Beispielsweise hat die Bellevue mit ihren beiden Beteiligungsgesellschaften BB Biotech und BB Medtech rund 40 000 Aktionäre allein in Deutschland. Viele von ihnen dürften sich den Schritt zur kostenlosen Depotführung in der Schweiz zumindest überlegen.

Natürlich macht die SAG die Wertpapierverwaltung nicht umsonst. Statt von den Aktionären lässt sie sich von den Aktiengesellschaften bezahlen, denen der neue Service für die Anteilseigner einiges wert ist. Die Rede ist von einer sechsstelligen Summe.

Für die Zukunft stellt sich deshalb schon jetzt die Frage nach den Konsequenzen, wenn das Angebot bei den Anlegern den Erfolg hat, den sich die Initiatoren wünschen. Etliche andere Schweizer Unternehmen dürften mit den Verlockungen einer kostenlosen Depotverwaltung für ihre Aktionäre nachziehen.

Und der Trend wird nach nicht allzu langer Zeit auch über die Grenze nach Deutschland schwappen. Für Banken beispielsweise wäre es letztlich eine Leichtigkeit, ihren Aktionären die kostenlose Verwaltung von Aktien ihres Hauses anzubieten. Die Frage ist allein, ob sie einen solchen Service für ihre Aktionäre überhaupt für wünschenswert halten. Denn der würde zuerst ein Minus auf der Gebührenseite bedeuten. Auf kurze Sicht zumindest. Auf lange Sicht könnte durchaus eine stärkere Bindung der langfristig orientierten Anleger die Folge sein. Die Blicke vieler deutscher Gesellschaften richten sich deshalb mit Interesse in die Schweiz.

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