Krebsmedikament wird die Zulassung verweigert
Schwarze Tage für Zeltia

Die European Medical Evaluation Agency hat dem spanische Biotech-Unternehmen Zeltia die Zulassung für das Krebsmittel "Yondelis verweigert. Ein harter Schlag für das Unternehmen.

MADRID. Spaniens größtes Biotech-Unternehmen Zeltia ist über viele Jahre während seiner Forschungen an seinen Hoffnungsträgern von Euphorie begleitet worden. Rosige Zukunftsperspektiven von hoch wirksamen Krebsmedikamenten sorgten für satte Kurssteigerungen. Jetzt hat die European Medical Evaluation Agency (Emea), die über die Zulassung von Medikamenten für den Vertrieb in Europa entscheidet, dem vermeintlichen Heilsbringer „Yondelis“ die rote Karte gezeigt.

Ein harter Schlag für Zeltia. Das an der Börse in Madrid notierte Unternehmen verfügt über seine Tochter Pharmamar über mehrere Wirkstoffe in verschiedenen, kostenintensiven Teststudien. „Yondelis“ wäre das erste zugelassene Medikament der Spanier gewesen – verbunden mit entsprechenden Umsätzen. Das galicische Unternehmen, das sein Geld bislang mit Farben und Lacken verdient, ist weltweit das einzige, das ausschließlich im Meer nach brauchbaren Anti-Krebs-Substanzen forscht. Die Ablehnung durch die Emea wirft Zeltia in seiner über Jahre aufgebauten Glaubwürdigkeit stark zurück. Die Aktie verlor seit dem Negativbescheid knapp 20 Prozent an Wert. Und vorerst dürfte es weiter abwärts gehen.

Und doch steht bislang weder „Yondelis“ vor dem Aus, noch ist gar das Unternehmen gefährdet. Zwar hilft es den Aktionären nicht weiter, wenn nur Zeltia davon überzeugt ist, über einen effizienten Wirkstoff zu verfügen, die Anerkennung durch die Londoner Behörde aber fehlt. Die Spanier überlegen dennoch, gegen den Bescheid vorzugehen. „Yondelis“ hat auf vielen internationalen Onkologiekongressen Anerkennung gefunden und auch deshalb vermutet das Unternehmen die klinischen Testergebnisse auf seiner Seite. Schon geht in Madrid das Gerücht um, dass andere Pharmakonzerne die Zulassung von „Yondelis“ verhindern wollten und Druck auf die Emea ausüben.

Die Forschungen an „Yondelis“ sollen auf jeden Fall fortgesetzt werden. Das Medikament ist zur Bekämpfung mehrerer Krebsarten gedacht und die Ablehnung bezieht sich nur auf den relativ selten vorkommenden Bindegewebskrebs. Geld für die Forschung ist bis Ende 2004 gesichert. Aber auch dann muss der Geldzufluss nicht versiegen, meinen Analysten und verweisen auf den möglichen Verkauf von Wirkstoffen oder Kooperationen. Als potenzieller Markt bleiben zudem die Vereinigten Staaten. Zeltia verfügt über ein Abkommen mit dem US-Pharmakonzern Johnson & Johnson, das die Spanier finanziell stützt. Im Gegenzug dürfen die Amerikaner „Yondelis“ außerhalb Europas vermarkten – jedoch nur mit entsprechender Zulassung der jeweiligen Behörden. Und die ist noch zu beantragen.

Silke Kersting
Silke Kersting
Handelsblatt / Korrespondentin
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