Kurs seit Wochen auf Talfahrt
Post-Aktie: Eine Geduldsprobe

Postaktionäre sind im Moment wahrlich nicht zu beneiden. Der Aktienkurs ist seit Wochen auf Talfahrt, und nun drückte ihn der Ergebniseinbruch im zweiten Quartal weiter in den Keller. Post-Chef Klaus Zumwinkel hält tapfer dagegen.

DÜSSELDORF. Zumwinkel bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr. Alles laufe nach Plan. Die Saat der Investitionen in milliardenschwere Übernahmen müsse erst noch aufgehen. Für Aktionäre bedeutet das eine Geduldsprobe. Die Aussicht auf eine höhere Dividende dient da als das berühmte „Zückerchen“.

In der Branche gelten Zumwinkels Ziele als sehr ehrgeizig. Denn die Expansionsmaschinerie des Logistikkonzerns ist ins Stocken geraten. Der Konzern ist auf Konsolidierungskurs. Zahlreiche Baustellen und hohe Integrationskosten drücken auf das Ergebnis. Sorgenkind ist die Pakettochter DHL. Fehlschläge wie der Aufbau des US-Paketgeschäfts müssen ausgemerzt werden.

Gute Ratschläge gibt es viele: Das US-Expressgeschäft verkaufen, heißt einer. Analysten schätzen die Verluste in den USA im ersten Halbjahr auf 400 Mill. Euro. Zumwinkel hält das US-Geschäft aber für unverzichtbar. Zwar ist der Wettbewerb gegen die US-Konkurrenten UPS und Fedex knallhart und mühsam, wie er selbst einräumt. Doch als größter Komplettanbieter in der Logistik muss man im wichtigsten Postmarkt der Welt präsent sein. Immerhin hängen 20 Prozent des gesamten Sendungsvolumens der Post von den USA ab.

Und es gibt positive Signale: Im zweiten Quartal meldete die Post eine spürbare Ergebnisverbesserung im Vergleich zum ersten Quartal. Zahlen veröffentlichte sie aber nicht. In diesem Jahr soll die Trendwende erreicht werden. Gesetzt wird auf das zweite Halbjahr. Also abwarten.

Doch auch das Briefgeschäft, das immer noch zwei Drittel zum Konzernergebnis beiträgt, lässt Wünsche offen. Angesichts des stärker werdenden Wettbewerbs – das Briefmonopol fällt 2008 weg – steht die Post zunehmend unter Druck. Mit dem Ausbau des internationalen Geschäfts steuert sie bereits gegen. Aber auch das kostet Zeit.

Gleich den ganzen Konzern zerschlagen und in Einzelteilen gewinnbringend verscherbeln, lautet die radikalste Idee. Eine Idee, die der Konkurrenz gefallen würde. Dann wäre der Postkonzern erledigt und die jahrzehntelange Aufbauarbeit für die Katz. Letztendlich wäre dies auch die Absage an Zumwinkels Konzept eines Logistikkonzerns.

Zweifel am Kurs der Post darf der Chef keine aufkommen lassen: Schwachstellen einräumen, Fehler beseitigen und klar Farbe bekennen, lautet die Devise. Vor allem brauchen die Märkte ein Signal: Denn Zumwinkel steht auch als Person für die erfolgreiche Privatisierung der Post. Sein Vertrag läuft Ende 2008 ab. Dann steht die Post noch mitten im Sturm. Daher war es wichtig, dass der 62-Jährige Bereitschaft zum Weitermachen signalisierte. Das gibt Sicherheit. Und die können Postaktionäre im Moment sehr gut gebrauchen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%