Kurse verführen, Bonds zu verkaufen - doch Vorsicht
Japan ist nahe

Japan liegt nicht auf dem Mond. Für diesen banalen Satz erntet Albert Edwards, Chef-Anlagestratege der Allianz-Tochter Dresdner Kleinwort Wasserstein, viel Kritik. „Manche Geschäftspartner haben einen richtigen Hass auf meine Japan-Vergleiche entwickelt“, sagt Edwards.

NEW YORK. Edwards gehört zu den wenigen Analysten, die Japans Finanzmärkte der 90er-Jahre als Vorbild für die gegenwärtige Lage in den USA sehen. Der Vergleich kann Aktienkäufern nicht schmecken. Denn mit dem japanischen Index Nikkei 225 ging es in der 90er-Jahren steil bergab. Von dem Sturz hat er sich bis heute nicht erholt. Auch die Währung brach ein. Nur Anleihe-Investoren profitierten von einer jahrelangen Rally. Sie trieb die Zinsen für Yen-Anleihen, die sich gegenläufig zu den Kursen entwickeln, auf historische Tiefstände. Trotz einer heftigen Gegenbewegung seit Mitte 2003 bringen Nippons zehnjährige Staatsanleihen immer noch weniger als 1,5 Prozent Rendite.

Der Japan-Vergleich hilft, die jüngste Entwicklung bei US- und Euro-Staatsanleihen besser einzuordnen. Weltweit sind die Anleihekurse in den vergangenen Monaten gestiegen, wodurch die Renditen gesunken sind. Zehnjährige US-Bonds (Treasuries) pendeln um die Marke von vier Prozent. Die Rendite deutscher Bundesanleihen liegt noch tiefer bei gut 3,80 Prozent. Die Faustregel vieler Analysten lautet: Verkaufe, sobald die Renditen unter vier Prozent für zehnjährige Bonds fallen. Auch Traditionelle Bewertungsmodelle signalisieren, dass US- und Euro-Bonds im Vergleich zu Aktien derzeit überteuert sind.

Also raus aus Anleihen, rein in Aktien? Die Erfahrung der Japaner spricht dagegen. Dort setzten Ende 1994 viele Investoren mit ähnlichen Argumenten auf Aktien. Die Wirtschaft hatte sich nach einer Krise erholt. Volkswirte erwarteten kräftiges Wachstum im nächsten Jahr. Doch als die Konjunkturdaten 1995 schlechter als erwartet ausfielen, knickte der Nikkei ein. Die Kurse von Yen-Anleihen dagegen stiegen kräftig. Ihre Rendite fiel innerhalb weniger Monate von mehr als 4,5 Prozent auf unter 3 Prozent

.

In den USA versuchen die Volkswirte derzeit, die zuletzt widersprüchlichen Konjunktursignale zu entziffern. Die US-Wirtschaft hat sich erholt. Doch manche Experten fragen sich, wie weit der Aufschwung trägt. Einig sind sich die meisten Analysten, dass die Gewinne der US-Firmen 2005 langsamer wachsen werden. Bereits im dritten Quartal fielen die Zuwächse niedriger aus als in den Vorquartalen, meldet Thomson Financial.

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