Kursentwicklung
Staunen über Degussa-Anleihenfonds

DÜSSELDORF. Wer als Investor derzeit auf der Suche nach einem guten Euro-Anleihenfonds ist, kommt bei einem Blick auf die Kursentwicklung der besten Fonds aus dem Stauen nicht mehr heraus. Ein Plus von im Schnitt 6,1 Prozent pro Jahr erzielte in den letzten drei Jahren etwa der Degussa Bank Universal Rentenfonds. Damit thront der Fonds an der Spitze der Performancerangliste von 235 Euro-Anleihenfonds. Die Konkurrenz erzielte nach Berechnungen von Standard & Poor’s über drei Jahre nur einen Zugewinn von 2,6 Prozent pro Jahr.

Die hohen Erträge verwundern nicht, denn im Portfolio des Degussa-Rentenfonds finden sich derzeit Aktien von Volkswagen und Allianz ebenso wie Türkische-Lira-Anleihen. Rund 16 Prozent des Fondsvermögens sind zudem in so genannten Ramsch-Anleihen investiert.

Formal ist dagegen nichts einzuwenden. Das Anlagespektrum des Fonds erlaubt laut Verkaufsprospekt ausdrücklich ein derartiges Potpourri. Auch die Systematik einer Fondsrating-Agentur, welche Grenzen sie einem Euro-Anleihenfonds zieht, liegt nicht in der Verantwortung der Fondsgesellschaft.

Dennoch sollten Anleger nach vier Jahren Bullenmarkt bei der Wahl eines Rentenfonds derzeit größte Vorsicht walten lassen. Denn wie ein roter Faden zieht sich durch die gängigen Fondsranglisten, dass die riskantesten Anleihenfonds im Zuge des immer größeren Risikoappetits meist die höchsten Erträge erzielten: Die Beimischung von Aktien war vier Jahre lang ebenso lukrativ wie der Kauf von Unternehmens- und Schwellenländeranleihen. Deren Renditevorsprung gegenüber sicheren Staatsanleihen höchster Bonität schmilzt seit Jahren und trieb somit die Kurse.

Da sich noch immer viele Anleger von der absoluten Kursentwicklung eines Fonds blenden lassen, haben die verkappten Mischfonds unter den Anleiheprodukten seit Jahren leichtes Spiel. Überdies sind die Erträge von Puristen unter den Anleihen-Fondsmanagern in Zeiten historisch niedriger Zinsen wenig attraktiv: Nur 3,9 Prozent Rendite bringt zurzeit eine zehnjährige Bundesanleihe. Die Verwaltung eines Anleihenfonds kostet im Schnitt zudem Gebühren von 0,8 Prozent pro Jahr.

Ewig lässt sich das Spiel mit den lukrativen Beimischungen aber nicht fortschreiben. Sie konterkarieren auch das Prinzip, nach der die Verteilung des Vermögens über die verschiedenen Anlageklassen entscheidend ist für den Anlageerfolg. Der Anteil von Aktien, Schwellenländern oder Fremdwährungen kann aber angesichts der Mix-Strategie vieler Anleihenfonds deutlich höher sein, als die Verteilung des Vermögens in einem Depot auf den ersten Blick suggeriert.

Vorsichtige Anleger kommen angesichts der Tatsache, dass der Bullenmarkt nunmehr ins fünfte Jahr geht nicht um einen kritischen Blick in das Innenleben ihrer Anleihenfonds herum. Ob diese ihrer Rolle als Stabilisatoren eines Depots tatsächlich gerecht werden, zeigt sich erst in der nächsten echten Krise.

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