Kursgewinne
Jagd auf T-Aktien

Rechtzeitig zum Jahresende bläst die Börse zur Jagd auf die gebeutelten Aktien der Deutschen Telekom. Fast 20 Prozent gewinnt die T-Aktie in nur sieben Wochen. Nicht die Welt hat sich verändert, doch Anleger wittern Nachholbedarf, Potenzial und Phantasie. Solange die Branche ihre Schlüsselprobleme aber nicht löst, reichen die Kursgewinne nur für ein Strohfeuer.

DÜSSELDORF. Nachdem Industrie-, Bau-, Konsum- und Software-Aktien in diesem Jahr stark gelaufen sind, besannen Anleger sich auf die größten Verlierer, die Telekomwerte. Sie rangieren auf Zweimonatssicht ganz oben, ohne dass tolle Nachrichten die Branche auf den Kopf stellen würden. Noch immer verlieren die ehemaligen Staatskonzerne Kunden. Wettbewerb und Preisverfall setzen den personell überbesetzten Unternehmen zu.

Doch immer noch üppige Nettogewinne und Dividenden locken viele Anleger wieder in die Aktien. Unter der Voraussetzung, dass die Deutsche Telekom auch 2007 mindestens 72 Cent pro Aktie ausschüttet, bietet der Wert eine Dividendenrendite von mehr als fünf Prozent. Deutsche Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit bringen nur 3,8 Prozent.

Hinzu kommt, dass unter dem immensen Kursdruck der Vergangenheit das Telekom-Umfeld, die Branche, die Finanzmärkte und natürlich die Medien eine Nachfolgediskussion um Konzernchef Kai-Uwe Ricke anzettelten. Dazu trug auch der Einstieg Blackstones bei. Der an Jahresrenditen von 30 Prozent gewöhnte amerikanische Finanzinvestor beteiligte sich im Frühjahr mit 4,5 Prozent an der Telekom. All das weckt Phantasie.

Der in die Enge getriebene Konzernchef versucht seitdem mehr denn je, das Ruder herumzureißen, indem er die Firmensparten umstrukturiert. Ziel ist es, den Kundenservice und die Infrastruktur auf Kosten des personell überbesetzten Festnetzbereiches auszuweiten. Zusätzlich inspirieren Übernahmegerüchte die Branche: Kleinere Gesellschaften wie die niederländische KPN könnten geschluckt werden, die Großen dagegen Allianzen schmieden - zum Wohle aller Aktionäre.

Doch reicht das für mehr als ein Kursplus von 20 Prozent? Mit nunmehr 13,50 Euro ist die Telekom immer noch 670 Prozent von ihrem alten Hoch aus dem Jahr 2000 entfernt. Üppige Dividenden, Umbau- und Fusionsphantasien treiben üblicherweise kaum länger als ein Quartal den Kurs. Dann ist es mit der Herrlichkeit der T-Aktie und ihrer großen europäischen Wettbewerber Telefónica, France Télécom und Telecom Italia vorbei.

Für einen nachhaltigen Kursaufschwung bedarf es mehr. Anleger suchen immer noch dieselbe Antwort wie vor Beginn der kleinen Rally: Welche, möglicherweise neuen Geschäftsfelder bieten genug Phantasie, um den Preis-, Margen- und Gewinnverfall in den Traditionsfeldern Festnetz und Handy mehr als nur zu kompensieren? Nur wer darauf eine Antwort findet, wird das Kurstal auch nachhaltig verlassen.

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