Langfrist-Anleger brauchen Substanzwerte im Depot
Schlüssel-Fragen

Ernüchtert schauen Sparplaninhaber auf die Renditen von Aktienfonds. Die haben mal wieder schlechter abgeschnitten als die Konkurrenz.

Wer 30 Jahre lang monatlich Geld in weltweit anlegende Anleihefonds investierte, erzielte im Schnitt eine Rendite von gut sieben Prozent im Jahr. Sparpläne in globalen Aktienfonds brachten nur 6,9 Prozent jährlich ein, wie der deutsche Fondsverband BVI ausrechnete. Im vergangenen Jahr hatten die Aktienfonds im Vergleich auch schon den Kürzeren gezogen. Mit Wehmut erinnert man sich an die Höhenflüge der Jahrtausendwende, als die 30-jährigen Renditen von Sparplänen mit Aktienfonds bei über elf Prozent lagen.

Diese Angleichung der Renditen mag so manch einen Anleger einmal mehr vor die Frage stellen, ob er überhaupt regelmäßig Kapital in die schwankungsanfälligeren Aktienfonds stecken soll. Doch erstens zeigen die Berechnungen Durchschnittswerte. Zweitens enthalten sie nur die Produkte, die die meist deutschen Mitgliedsfirmen des BVI anbieten. Etwa mit Hilfe von Fondsratings lassen sich Fonds finden, die sich auch langfristig überdurchschnittlich entwickelt haben.

Unabhängig davon ist es für langfristige Anlagen wichtig, auch auf den konträren Charakter dieser Anlageklassen zu schauen. Denn Anleger kaufen sich mit Aktienfonds einen Substanzwert, sichern ihr Kapital also gegen Inflation ab. Bei Anleihen gewähren sie dem Emittenten lediglich einen Kredit, der sich durch Inflation entwertet. Auch erhält ein Investor den Großteil der Wertentwicklung des Aktienfonds nach einem Jahr brutto für netto, während der Fiskus über den Zinsschein an der Rentenfondsrendite stark mitverdient.

Die Schwankungen an den Aktienbörsen können Sparer zudem nutzen: Nach dem „Cost Average- oder Durchschnittskosten-Effekt“ erhalten sie dank ihrer festen Sparrate zwar bei steigenden Aktienkursen weniger Fondsanteile, bei sinkenden Kursen aber mehr. So wird der Anleger in schwachen Börsenphasen zum Antizykliker und kann seine Rendite im Vergleich zu einer ungünstig gewählten Einmalanlage vervielfachen. Allerdings kann sich der Effekt über sehr lange Zeiträume hinweg aufheben. Wer sich die Extra-Rendite konsequent sichern will, kann den Sparplan in Phasen steigender und hoch bewerteter Börsen unterbrechen.

Wer einen Sparplan abschließen möchte, muss eine weitere Schlüssel-Frage beantworten: Sollte er auf einen aktiv gemanagten Investmentfonds setzen oder mit den immer beliebteren Zertifikaten oder passiv gemanagten Indexfonds ETF (Exchange Traded Funds) auf einen Börsenindex setzen? Für passives Management spricht Zweierlei: Untersuchungen zeigen immer wieder, dass es mit Abstand die meisten aktiven Fondsmanager nicht schaffen, ihre Vergleichsindizes zu schlagen.

Zweitens lassen sich Fondsgesellschaften das aktive Fonds-Management bezahlen, was gerade langfristig zu Buche schlägt: Aktiv gemanagte Aktienfonds kosten in Deutschland nach Untersuchungen des Analysehauses Fitzrovia insgesamt 1,4 Prozent im Jahr, aktiv gemanagte Rentenfonds gut 0,8 Prozent. Hinzu kommt die Kaufgebühr, der Ausgabeaufschlag, von bis zu gut fünf Prozent. Für ETFs zahlen Anleger hingegen nur bis zu 0,5 Prozent laufende Gebühren im Jahr. Bei Sparplänen, die es bislang nur auf große Aktienindizes gibt, kommt ein Ausgabeaufschlag von 2,5 Prozent hinzu. Bei Indexzertifikaten fallen nur Kauf- und Verkaufgebühren an, die jeweils bei rund einem Prozent liegen.

Fonds haben gegenüber Zertifikaten aber einen für Langfrist- Anleger entscheidenden Vorteil: Das Fondskapital ist als Sondervermögen im Falle eines Bankrotts einer Fondsfirma geschützt. Bei Zertifikaten erwirbt der Käufer dagegen eine Schuldverschreibung, die bei einer Pleite verloren gehen kann. Trotz Kostenvorteils und Erfolgsstatistik führen die seit 2000 angebotenen ETFs ein Schattendasein bei Privatanlegern. Denn nur wenige Anleger kennen sie. Und die Produkte gelten noch immer als Trading-Instrument für Profis. Zu Unrecht.

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