LDax & Co. feiern ihren ersten Geburtstag
Späte Tristesse

Die L-Indizes - L für Late - dümpeln vor sich hin. Kaum jemand handelt an den Börsen zwischen 17.30 und 20 Uhr.

Wer erinnert sich daran? Noch vor genau einem Jahr wurde auf dem elektronischen Handelssystem Xetra an der DeutschenBörse bis um 20 Uhr gehandelt. Am kommenden Mittwoch jährt sich nun der Tag zum ersten Mal, an dem der Handelsschluss vor allem auf Druck der großen, international agierenden Investoren auf 17.30 Uhr vorgezogen wurde. Lediglich auf dem Frankfurter Parkett und an den Regionalbörsen kann der Anleger seither noch bis zum Beginn der Tagesschau weiter Aktien kaufen und verkaufen. Dafür wurden die L-Indizes – L für Late – eingeführt, mit denen Dax, MDax und TecDax nach Handelsende um 17.30 Uhr weiter berechnet werden. Ein Jahr später fällt die Bilanz durchwachsen aus: Lediglich ein Prozent des täglichen deutschen Aktienvolumens wird in der Zeit von 17.30 Uhr bis 20 Uhr gehandelt. Das ist wenig und viel zugleich. Wenig, weil vorher, als Xetra noch geöffnet hatte, in dieser Zeit rund sieben Prozent des täglichen Aktienvolumens gehandelt wurden. Viel ist es, weil sich die Zahl von einem Prozent seit der Einführung von LDax & Co. nahezu konstant gehalten hat. Das Volumen zeigt, dass eine kleine, aber sehr treue Anlegergemeinde die unaufgeregte Abendstimmung, in der etwas mehr Zeit für das persönliche Gespräch mit dem Broker bleibt, durchaus zu schätzen weiß. Meist sind es wohlinformierte Privatanleger, die dieses Angebot annehmen. Die Frage, ob sich der Abendhandel nicht irgendwann von selbst erübrigt, weil ihn kein Anleger mehr will, ist damit beantwortet. Die entscheidende Frage ist jedoch, ob sich weiterhin der Aufwand lohnt, den Börsen, Broker und das gesamte Back-Office betreiben müssen, um diesen Service zu bieten. Tatsache ist, dass rund zwei Drittel des Abendhandels am Frankfurter Parkett stattfinden, dann wird bereits klar, dass für die insgesamt sieben Regionalbörsen nicht mehr allzu viel übrig bleiben kann. Tatsache ist außerdem, dass vom kümmerlichen Rest der Löwenanteil in Stuttgart gehandelt wird. Für die anderen sechs Regionalbörsen bleibt da nicht mehr viel übrig. Solange aber nur eine Börse den Handel bis 20 Uhr aufrecht hält, werden die anderen ebenfalls weitermachen. Die Szenerie erinnert damit fast schon an das ähnlich gelagerte Thema Ladenschluss, wo sich viele Händler an den Öffnungszeiten der Konkurrenz orientieren und weniger an den Interessen der eigenen Kundschaft. Die Deutsche Börse jedenfalls, die bei Einführung des Late-Handels noch verlautbaren ließ, dass nach einer halbjährigen Probephase geprüft werde, ob bei entsprechendem Interesse der Großinvestoren nicht doch wieder auf ein Xetra- Handelsende um 20 Uhr zurückgekehrt werden soll, wird ihre Entscheidung sicher nicht mehr überdenken. Dazu haben gerade die institutionellen Anleger mit ihren großen Handelsvolumina im vergangenen Jahr mehr als deutlich gezeigt, dass ihnen an einem Handel in Deutschland bis 20 Uhr nicht gelegen ist. Bleibt die Frage, was geschehen müsste, damit die Anleger mehr Interesse am Abendhandel zeigen. Zuallererst müssten die Kurse deutlich anziehen. Eine Seitwärtsbewegung, wie sie seit Jahresanfang zu beobachten ist, wird sicher nicht dazu beitragen. Zum anderen müsste sich im Abendhandel etwas mehr gegenüber den Kursen von 17.30 Uhr bewegen. Gegenwärtig unterscheidet sich der anschließend berechnete LDax kaum vom Schlusskurs des Xetra-Dax. Für Anleger fehlt damit der Anreiz, sich quasi nach Feierabend noch mit Dingen zu befassen, die in der Konsequenz wahrlich vernachlässigenswert sind. Den ersten Geburtstag feiern LDax & Co. am kommenden Mittwoch. Wie viele Geburtstage die Late-Indizes insgesamt erleben werden, ist nach heutigem Stand schwer zu sagen. Dass sich jedoch in zehn Jahren noch jemand an sie erinnert, ist nach heutigem Stand nur schwer vorstellbar.

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