Leasing-Unternehmen zapft den Kapitalmarkt an
Grenkes neue Wege

Mancher Anleger mag sich verwundert die Augen reiben, gilt die Baden-Badener Grenke Leasing doch als Inbegriff für Solidität und Wachstum. Nun will das Unternehmen in der ersten Oktoberhälfte den Kapitalmarkt anzapfen und über eine Euro-Anleihe gleich 200 Mill. bis 300 Mill. Euro aufnehmen.

HB FRANKFURT. Insgesamt hat das Programm sogar ein Volumen von 500 Mill. Euro. Zum Vergleich: Der Börsengang im Jahr 2000 hatte dem Unternehmen, das auf Leasing von Bürokommunikation spezialisiert ist, gerade mal 64,4 Mill. Euro eingebracht. Doch keine Angst, bei Firmenchef Wolfgang Grenke ist weder der ungezügelte Akquisitionshunger ausgebrochen noch droht nach aktuellem Stand ein finanzieller Engpass.

Die Erklärung liegt im Geschäft von Grenke Leasing. Das Unternehmen finanziert bislang die Geräte, die sie an ihre Kunden verleast, über die HP International Bank. Per 31.10. 2003 beträgt die langfristige Finanzierung 189 Mill. Euro. Die soll nach erfolgreicher Platzierung des Bonds zum Barwert abgelöst werden. Und mit dem Rest soll die finanzielle Flexibilität gestärkt werden. Wie hoch die Kostenersparnis insgesamt ausfallen wird, lässt sich zwar derzeit noch nicht sagen. Klar ist jedoch, dass das Rating von Grenke Leasing über dem der HP Bank liegt. Dort zahlten die Baden-Badener bislang im Schnitt über 5 % an Zinsen. Die Ratingagentur Standard & Poors hat die unbesicherte GrenkeAnleihe nun mit BBB bewertet, das Unternehmen selbst mit BBB+. Vor allem die bislang schon gute Eigenkapitalausstattung, die hohe Rentabilität und das Management wurden gelobt. Minuspunkte gab es für zuletzt höhere Ausfälle in Frankreich, eine bislang zu wenig diversifizierte Finanzierung und die einseitige Konzentration auf die IT-Branche.

Obwohl Grenke Leasing als Kind der Finanzbranche wesentlich näher mit den dort herrschenden Gepflogenheiten vertraut ist als andere SDax-Unternehmen, stellt die Ausgabe einer Anleihe nochmals eine besondere Herausforderung dar. Schließlich gibt das Unternehmen damit sein Debüt am Fremdkapitalmarkt, wo der Name Grenke Leasing bislang noch unbekannt war. Um das möglichst schnell zu ändern, ist Unternehmenschef Grenke derzeit in Deutschland und im angrenzenden europäischen Ausland auf Road-Show. Noch sind nicht alle Details geklärt. Fest steht jedoch, dass die Anleihe eine Laufzeit von drei bis fünf Jahren haben soll und dass die Deutsche Bank und die WestLB die Emission an den Investor bringen sollen.

Grenke Leasing katapultiert die Emission in eine neue Liga. Nicht nur, dass sich die Zahl der Investoren wesentlich erhöht. Das Unternehmen, das vor seinem Börsengang im Jahr 2000 in der breiten Öffentlichkeit kaum bekannt war, obwohl es da schon 22 Jahre alt war, wird damit noch einmal in der öffentlichen Wahrnehmung zulegen.

Keinen Schaden müssen indes die Aktionäre fürchten. Sie dürfen auch im laufenden Jahr mit einem neuen Rekordergebnis rechnen, zumal die besonders „fetten“ Monate traditionell zum Jahresende noch kommen. Im Schnitt rechnen Analysten mit einem um rund 15 % auf 17,7 Mill. Euro gesteigerten Reingewinn im Vergleich zum Vorjahr. Zudem ist in Zukunft eine Dividende von 20 bis 25 % daraus geplant.

Um solche Steigerungsraten auch in Zukunft erzielen zu können, dafür treibt Grenke Leasing die Expansion zügig voran. Noch in diesem Jahr soll eine Tochter in Schweden gegründet werden. Und auch für das kommende Jahr ist die Blickrichtung bereits fest vorgegeben. Mit der EU-Osterweiterung ab Mai 2004 stimmen dann auch die rechtlichen Rahmenbedingungen in den Beitrittsländern. Spannend werden die ersten Schritte dort allemal. Wolfgang Grenke glaubt allerdings nicht, dass es dort anfangs zu hohen Ausfällen kommt. Auch in Tschechien, wo sein Unternehmen bereits seit längerem vertreten ist, sind die Ausfälle nicht höher als anderswo in Europa.

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