Lebensmittelbranche
Bienen an der Börse

Paris Hilton muss in den Knast, der Einzelhandel will 2008 den Muttertag vorziehen, in den USA sterben die Bienen. Welche der Meldungen hat die größten Folgen für die Finanzmärkte? Möglicherweise die Nachricht über den geheimnisvollen Exodus der Bienen in Übersee. Auch deutsche und europäische Imker melden verschwundene Stämme.

FRANKFURT. Die Fachwelt rätselt über die Ursachen. Eine schlüssige Erklärung steht aus. Im schlimmsten Fall wäre die Lebensmittelversorgung gefährdet. Am Ende könnte man „nur noch mit Getreide und Wasser dastehen“, sorgt sich ein Vertreter des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums. Nahrungsmittel würden teuer.

Wenn in den Vereinigten Staaten bereits die Honigpreise steigen, mag das als nachrangige Meldung gelten. Doch schätzungsweise ein Drittel der gesamten Nahrungsmittelproduktion steht und fällt mit der Bestäubung durch Bienen. Betroffen sind fast alle Obstsorten, aber auch Gemüse und Viehfutter. Bienen sind ein Wirtschaftsfaktor, der in den USA und in Europa auf einen deutlich zweistelligen Milliardenbetrag geschätzt werden darf.

Querdenker an der Börse reagieren, spekulieren auf steigende Agrarpreise oder kaufen spezielle Aktien. An der Wall Street ist beispielsweise Monsanto im Gespräch. Der Konzern ist bekannt für gentechnisch veränderte Agrarprodukte – die ohne Bienen auskommen. Eine Alternative wäre Archer Daniels Midland. Die Firma verarbeitet Mais und Weizen, die keine Bienen brauchen und möglicherweise als Ersatzprodukte stärker genutzt werden.

Die Haussiers für Agrarprodukte benötigen allerdings keinen Kollaps der Bienenvölker in ihrer Argumentationsliste. Sie finden mindestens drei Gründe für langfristig steigende Preise landwirtschaftlicher Produkte. Historisch gesehen sind die Preise auf Tiefstniveaus und haben Nachholbedarf gegenüber anderen Rohstoffen.

Noch wichtiger ist der jeden Rahmen sprengende Wirtschaftsboom in China, aber auch in Indien. Milliarden von Menschen sammeln allmählich Wohlstand an und werden mehr Fleisch essen. Für die Produktion von einem Kilo Rindfleisch braucht die Kuh immerhin sieben Kilo Getreide als Futter. Daher dürften sowohl die Getreidepreise als auch die Fleischpreise in den kommenden Jahren nach oben laufen.

Roland Jansen wirft außerdem den absehbaren Kampf um Agrarflächen in die Waagschale. Der Anlagestratege von Mother Earth Investment erwartet einen Run auf alternative Energien. Für den Anbau von Getreide, Zuckerrohr und anderen Pflanzen zur Produktion von Ethanol bzw. Biodiesel werden große Areale benötigt. Kabarettistisch formuliert: Man kann Getreide entweder essen oder mit ihm Auto fahren – aber nicht beides gleichzeitig.

Das liefert Anbietern von Fonds oder Zertifikaten auf Agrarrohstoffe beste Verkaufshilfen. Und noch ist der Trend in einem ganz frühen Stadium.

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