Lockvogel-Angebote
Autoversicherer verwirren mit neuen Prozenten

Der knallharte Wettbewerb in der Autoversicherung kommt den Kunden zu Gute. Aber nur vordergründig. Denn viele vermeintlich kundenfreundlichen Angebote haben Haken. Niedrigere Prozente müssen keine Ersparnis bringen.
  • 4

Keine Versicherungssparte ist so hart umkämpft wie die Autoversicherung. Doch was gut für die Kunden ist, tut der Branche nicht gut. Mehr als eine Milliarde Euro fehlen Jahr für Jahr in der Kasse, weil die Schäden höher sind als die Beiträge der Kunden. Das schmerzt die Unternehmen so sehr, dass manche nun vielleicht ins Fach der Gaukler wechseln.

Viele Vertreter könnten ihre Kunden dieses Jahr damit locken, dass sie bei ihnen jetzt viel mehr "Prozente" bekommen als anderswo. Das stimmt, aber nur rein formal. Der Grund: Ein Teil der Branche führt eine "neue Rabattstaffel für schadenfreie Jahre" ein. Die Allianz hat das schon gemacht. Nun zieht der Branchenprimus Huk-Coburg nach. Andere arbeiten aber weiter mit den alten Tabellen - und genau hier beginnen die Probleme.

Das Prinzip der Prozente ist einfach. Wer unfallfrei fährt, zahlt im Laufe der Jahre immer weniger Prämie. Doch was heißt es, wenn ein Versicherer nun auf 20 Prozent runtergeht, statt bei 30 Prozent aufzuhören? Und wenn er ganz oben nicht mehr 245 Prozent hat, sondern nur noch 135 Prozent?

Das wirkt auf den ersten Blick kundenfreundlich. Und deshalb ist zu vermuten, dass die Kunden dieses Jahr mit solchen Slogans angelockt werden: "Wir gehen bis 20 Prozent runter, der Konkurrent hat aber nur 30 Prozent." Oder: "Schadenfreiheitsrabatt sinkt von 30 auf 20 Prozent."

Die Branche wird undurchsichtiger

Aber Vorsicht - solche Zahlenspielereien sind nicht seriös. Die Änderung "wird nicht dazu führen, dass die Preise entsprechend günstiger werden", warnt Huk-Vorstand Klaus-Jürgen Heitmann. Im Geldbeutel würden die meisten die Umstellung nicht spüren. Das können sich die Versicherer ja auch gar nicht leisten. Sie wollen ohnehin lieber die Preise erhöhen, um aus den roten Zahlen zu kommen.

Warum preschen dann einige dieses Jahr mit neuen Prozenten vor? Der Branchenführer Huk-Coburg hat darauf eine einleuchtende Antwort: "Ein Großteil des Marktes hat Interesse an Intransparenz", sagt Vorstand Heitmann. Durch neue Rabattstaffeln sind die Autoversicherer nicht mehr so einfach untereinander zu vergleichen.

Verwundern mag, dass ausgerechnet der Marktführer darüber aufklärt? Doch auch das gehört zum harten Wettbewerb. Die Coburger arbeiten kostengünstig und können oft gute Angebote machen. Ihnen hilft mehr Transparenz im Markt. Teureren Anbietern schadet dagegen ein Mehr an Aufklärung.

Für Kunden bleibt also trotz neuer "Prozente" alles beim Alten: Wer weniger für seine Autoversicherung zahlen will, sollte Jahr für Jahr bei seinem Vertreter vorsprechen und um Nachlass bitten.

Die besten Argumente dafür liefern Vergleichsrechner im Internet. Kunden sollten deren Zahlen aber nur als Hinweis nehmen. Auch viele Vergleichsanbieter sind abhängig und wollen vor allem eins: Einen Kunden finden, an dem sie über die Vermittlung verdienen können.

Kontakt zum Autor: schmitt@handelsblatt.com

Kommentare zu " Lockvogel-Angebote: Autoversicherer verwirren mit neuen Prozenten"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zu Anfang Herr Schmitt sehr unparteilich geschrieben, dann zu zwei Versicherungen eine Handlungsweise geschrieben.
    Meiner Meinung ist die HUK kein Branchenprimus, sondern muss sich hart im Markt durchsetzen. Ich möchte bemerken, dass Aufkäufe des HDI, jetzt HDI-Gerling-HDI, seinerzeit anstanden um den Coburger aufzukaufen, da die im HUK-Hause subventionierte KFZ-Sparte eben durch die nicht deckenden Preise zu den Schadenzahlen ein kleines Vorerdbeben verursachte. Da die HUK meines Wissens auch über die Postbank vertrieben wird, kann ich zu ZITAT: "Verwundern mag, dass ausgerechnet der Marktführer darüber aufklärt? Doch auch das gehört zum harten Wettbewerb. Die Coburger arbeiten kostengünstig und können oft gute Angebote machen. Ihnen hilft mehr Transparenz im Markt. Teureren Anbietern schadet dagegen ein Mehr an Aufklärung. ZITAT ENDE" Nur antworten, wer so offen sich darstellt, der hat doch ein Problem. Selbst die HUK24 hat gezeigt, dass König Kunde bei einem falschen Klick eben der Verlierer eines Schaden sein kann.
    Wenn doch schon das Gejammer bei Schadenersatzleistungen im Internet so breit getreten ist und der, der es miterleben durfte, wie lange eine Bearbeitung und dann leider auch noch mit dem Versuch zu Minimieren beim Geschädigten Kopfschmerzen verbreitet hat, der weiß/ kann ahnen, dass die HUK eben ein internes Problem hat, nämlich Zahlungswilligkeit. Ich möchte mal denjenigen sehen, der seine eigene Kasko gebrauchen muss und dann abgespeißt wird.
    Internetportale sind Kundenfänger, mit dem Anspruch auch Kopfgeld, ohne Haftung, leider immer noch nicht vollständig in der Recherche und darum sind Großteile der Vergleiche nur so gut, wie der eingebende Kunde sein Fachwissen hat und an welchen Portalen die Vergleichsrechner teilnehmen dürfen. K.-H. Messner,Berlin

  • Diese Nachricht ist zwar dem Grunde gut und richtig, mag die HUK auch ein Branchenriese sein, der kostendeckender dadurch arbeitet, dass er im Außendienst mit sogenannten Vertrauensleuten arbeitet, weiterhin hatte er den Vorsprung durch den Öffentlichen Dienst. Die Qualität der Beratung muss aberauf der Strecke bleiben, da die Vertrauensleute keine Qualifikation haben. Ähnlich arbeitet auch die debeka, hier habe ich selber als anfragender Kunde bei drei in meiner Umgebung zufällig rausgesuchten Vertreter sehr lückenhaftes Fachwissen erlebt. Nun gut mag es sein, dass es für den Normalverbraucher reicht und ein Finanzwirt als Anfrager eine zu hohe Messlatte hat. Nur es geht um das Absichern mit einem Produkt zu einem akzeptablen Preis. Der Versicherer ist nicht nur so gut wie sein Produkt, wenn es gefordert wird, sondern auch so wie es der Tarif, ohne verschleierte Wenn und Aber, leistet. Sicherlich ist es für manch einen positiv zu sehen wenn "klulanterweise" ein Auge geschlossen wird. Nur wenn dieses so passiert ist es dann auch wieder den anderen Versicherten gegenüber eine Übervorteilung.
    Mag dieser Berichterstatter sich Mühe gegeben haben, geholfen hat er nicht so Recht, außer dass er damit symbolisch dargestellt hat, dass Versicherer mit unverständlichen Werbungen eben verschleiern, dass sie mit Ihren Tarifen nicht klarkommen, denn warum soll man solche Mittel einsetzen, die den Anschein erwecken, dass man besser ist, wenn man doch nur die Vergleichbarkeit verschleiert. DAS AUGE IST MIT?, die Rechnung ist dann eben etwas höher oder es ist mehr Luft in der Garnierung.
    Meine Meinung Bernd Echost.

  • Grundsätzlich alles richtig. Wenn es aber so unseriös ist, wie er schreibt, warum macht die HUK es dann nach? Abgesehen davon, dass 90% aller Kunden immer nur der Preis interessiert und nicht ob da 70 oder 140 % bzw. SF1 oder SF10 steht. Im Übrigen: Welcher Vermittler verdient an dem KFZ Versicherungsgeschäft wirklich Geld? Es nervt, bleibt unter dem Strich eine Nullnummer, aber nun einmal der Einstieg beim Kunden in aller Regel.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%