Magische Marken
Dax über 5 000 Punkten interessiert nicht jeden

Was war das letzte Woche für ein freudiges Ereignis: Völlig überraschend übersprang das Aushängeschild der Deutschen Börse, der Dax, die Marke von 5 000 Punkten.

HB FRANKFURT. Eilmeldungen liefen über die Ticker, der SMS-Dienst meldete sich mit Vibrationsalarm, und gerade ausländische Fondsgesellschaften gaben sofort ihre neueste Einschätzung über den deutschen Markt an ihren Kunden raus. Nur die Aktienstrategen deutscher Großbanken reagierten gelangweilt ob der Hürde, die zum ersten Mal seit über drei Jahren genommen wurde. Es sei völlig unerheblich, ob der Dax nun knapp über oder knapp unter 5 000 Punkten stehen würde, hieß es dort unisono.

Also, was denn nun? Wer die gegensätzlichen Meinungen beider Seiten verstehen will, der muss deren unterschiedlichen Perspektiven beleuchten. Natürlich ist das Überspringen einer markanten Marke - ob bei Aktien, Anleihen, Rohstoffen oder Devisen - immer ein Medienereignis. Für die breite Masse der Anleger, die nicht täglich die Kurse verfolgt, wird das Thema Börse so plötzlich aktuell. Die Anlageberater spüren erhöhtes Interesse, Fondsgesellschaften steigende Nachfrage gerade nach populären Produkten.

Ähnlich ist die Situation bei ausländischen Investoren. Neben der Ausrichtung auf Branchen haben diese zuletzt verstärkt den Ansatz entdeckt, auf einzelne Länder zu setzen. Der ohnehin derzeit sehr populäre Börsenplatz Deutschland hat bei ihnen durch das Überspringen der 5 000er-Marke noch einmal an Attraktivität gewonnen. Insofern ist der Aktienmarkt als solcher deutlich mehr im Gespräch und wird de facto auch mit deutlich mehr frischem Kapital versorgt als vorher. Und das, obwohl sich an den Grundvoraussetzungen im Vergleich zu der Zeit unterhalb von 5 000 Punkten nichts geändert hat.

Genau darauf zielen aber die Strategen ab. Für sie ist die 5 000 nicht mehr als eine bloße Zahl. Konjunkturdaten, Entwicklung der Unternehmensgewinne, Branchenstrategien und Fragen nach Über- oder Unterbewertung einer Aktie ordnen sie in einen Gesamtkontext ein und versuchen daraus, ein Indexziel auf Sicht von sechs oder zwölf Monaten zu formulieren. Das entspricht aber meist nicht der Marke, die die Masse der Anleger als wichtig erachtet. Und so werden beide Parteien auch künftig aneinander vorbeireden, wenn die Rendite der zehnjährige Bundesanleihe unter drei Prozent sinkt, der Ölpreis über 70 Dollar steigt oder der Euro unter 1,20 Dollar fällt.

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