Manko: Geringe Streubesitz
Scharfe Grenzkontrollen freuen Mühlbauer-Aktionäre

Aktionäre der bayerischen Mühlbauer AG haben derzeit ein Problem, das viele Teilhaber anderer Gesellschaften gerne hätten. Die entscheidende Frage lautet: Sollen sie sich für das laufende Jahr auf eine Gewinnmarge vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 15 Prozent oder eher auf eine von 25 Prozent einstellen?

HB FRANKFURT. Hatte das Unternehmen gerade erst wieder einmal ein Rekordergebnis vorgelegt, so ist jetzt bereits klar, dass dies auch im laufenden Jahr um Längen übertroffen werden wird – bei weiter steigenden Umsätzen.

Alles andere würde die verwöhnten Anteilseigner auch überraschen. Denn schon im abgelaufenen Jahr erreichte der Anlagenbauer für Maschinen zur Datenerfassung eine Gewinn-Marge von 20 Prozent.

Kein Wunder also, dass die Aktie längst reagiert hat und seit Jahresbeginn um über 40 Prozent an Wert zulegte. Inzwischen ist sie wieder so teuer wie zuletzt im Sommer 2001. Analysten sprechen sogar davon, dass kaum ein Unternehmen in Deutschland so blendend für die Zukunft positioniert ist wie Mühlbauer.

Lediglich der geringe Streubesitz bleibt ein großes Manko. Nur rund 20 Prozent der Aktien sind im freien Handel verfügbar. Entsprechend gering sind die Börsenumsätze. Und entsprechend gering sind auch die Aussichten, dass die Mühlbauer-Aktie eines Tages in einem Auswahlindex, beispielsweise dem TecDax, vertreten sein wird. Auf Platz 53 liegt die Aktie derzeit im Kriterium Börsenumsatz. Platz 35 sollte es schon sein, wenn sie als Kandidat dafür gehandelt werden wollte.

So stützt sich die Phantasie der Anleger allein auf das, was das laufende Jahr auf Unternehmensseite bringen wird. Das ist jedoch mehr als ausreichend, um den Kurs noch weiter nach oben zu treiben. Grund dafür ist die weltweit anhaltende Sicherheitsdiskussion. Die Mühlbauer-Technologie gilt unter anderem als führend im Bereich Smart ID – hierbei handelt es sich um Chip basierte Identifikationssysteme, die bei Einreise- und Sicherheitskontrollen immer stärker zur Anwendung kommen. Die Sicherheitsbeauftragten vieler europäischer Länder, aber auch aus Amerika und Asien, geben sich schon seit längerem auf dem Firmengelände in Roding die Klinke in die Hand und informieren sich dort über den neuesten Stand der Technik. Dafür wurde inzwischen sogar eigens ein Hubschrauberlandeplatz gebaut. Dass über Geschäftsabschlüsse bei einem solch hoch sensiblen Thema nicht öffentlich gesprochen wird, dürfte selbstverständlich sein. Dass sich in der Abgeschiedenheit des Bayerischen Waldes aber gut über solche Themen sprechen lässt, ist ebenfalls offenkundig.

Der Hintergrund ist klar: Seit die Innenminister der Europäischen Union überein gekommen sind, in spätestens drei Jahren alle neuen Reisepässe mit Speicherchips ausstatten zu lassen, sind die Mühlbauer-Aktionäre elektrisiert. Denn die Bundesregierung hat angekündigt, bereits im laufenden Jahr mit der Ausgabe dieser neuen Pässen beginnen zu wollen. Und Mühlbauer rüstet einige kleinere Staaten im Osten schon mit Smart ID aus.

Doch Mühlbauer hat noch ein weiteres Ass im Ärmel. Die aus dem Handel bekannten Barcodes oder Sicherheitsetiketten müssen wohl in den nächsten Jahren das Feld räumen für so genannte Smart Labels. Dass der US-Einzelhändler Wal-Mart an dem System großes Interesse hat, gilt inzwischen als offenes Geheimnis. Viele andere dürften folgen. Mühlbauer hat heute in diesem Bereich, der gerade erst an Fahrt gewinnt, schon einen Marktanteil von 60 Prozent.

Alles in allem sind das also keine schlechten Voraussetzungen dafür, dass sich der Höhenflug der Aktie seit Jahresbeginn weiter fortsetzen dürfte.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%