Marketing muss den Anlegerschutz stärker nach vorne rücken
Fonds-Vorteile schlecht verkauft

Fair bleiben. Diesen Grundsatz hat sich die Fondsbranche auf die Fahnen geschrieben. Das ist der erste Eindruck, wenn man die jüngsten Diskussionen um Verhaltensregeln für eine faire Behandlung der Anteilsbesitzer verfolgt. Die Initiativen des Branchenverbandes und jetzt auch der Arbeitsgruppe um den Finanzprofessor Wolfgang Gerke sind richtig und wichtig.

HB FRANKFURT. Der schon länger existierende Kodex des Verbandes schreibt beispielsweise eine klare Beschreibung der Anlagepolitik, eine weit gehende Veröffentlichung von Fondsgebühren und die faire Ausführung der Wertpapierorders in den Fonds vor. Anlegerschutz ist auch erstes Ziel der am Mittwoch offiziell vorgestellten Gerke-Empfehlungen. Der Katalog ist allgemeiner gehalten, zielt stärker auf die internen Strukturen von Vermögensverwaltern – auch jenseits der Fondsbranche. Da geht es unter anderem um die Einsetzung eines unabhängigen Vertreters in den Aufsichtsgremien.

Getreu dem Prinzip „Wettbewerb der Kodizes belebt das Geschäft“ rückt das Prinzip Fairness mit Macht in den Vordergrund. Ein denkbarer juristischer Einwand wird daran nichts ändern. Dieser Einwand würde lauten: Schon seit Jahr und Tag sind die Investmentgesellschaften verpflichtet, jederzeit im Interesse des Anlegers zu handeln. So steht es wörtlich im Gesetz.

Aber konkrete Vorgaben sind dennoch sinnvoll. Sie verschaffen der Anlagebranche sogar Vorteile, die sie bisher leider kaum oder gar nicht nutzt. Es geht um das Marketing eigener Stärken in der Konkurrenz zu Versicherungen und Zertifikaten. „Die wichtigen Vorteile der Fonds spielen keine Rolle, der Verkauf läuft leider nur über Performance“, sagt beispielsweise Ferdinand Haas, Vorstand des größten Maklerpools BCA. Es geht um Sicherheit, um offiziell ermittelte Produktpreise und um Anlegerschutzregeln.

Bei Fonds gibt es im Gegensatz zu Zertifikaten kein Emittentenrisiko. Zertifikate werden von Banken ausgegeben, die theoretisch pleite gehen können. Rein rechtlich werden im Zertifikategeschäft auch die Anlegerinteressen nicht obenan gesetzt. „Da gibt es nur Käufer und Verkäufer, sprich die Bank – und beide Parteien sind eher gleichberechtigt“, sagt Haas. Von zusätzlichen Verhaltenskodizes ist keine Rede. Und das Transparenzniveau bei den Fondsgebühren ist inzwischen auf kosmische Entfernungseinheiten davon geeilt. Die Käufer von Versicherungen können ein Lied davon singen, wenn sie denn sensibel für diese Fragen wären.

Hier liegt das Grundproblem der gesamten Diskussion: Sie würde sich erübrigen, wenn es die Produktanbieter nur mit aufgeklärten Anlegern zu tun hätten. Dann müssten die Versicherer und Zertifikateemittenten strampeln.

Aufklärung tut also not. Der Aufruf geht an beide Seiten: Anleger müssen sich (im eigenen Interesse) besser informieren, Fondsanbieter hier selber die Initiative ergreifen. Auch wenn in der Brust der letzten Gruppe mehrere Herzen schlagen sollten, denn die Mütter vieler Fondshäuser sind Banken und damit häufig Zertifikateemittenten.

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