Markt für flüssiggekühltes Gas
Boom unter Ausschluss der Öffentlichkeit

HB DÜSSELDORF. Manche Schätze blühen im Verborgenen. Das gilt sogar für den Energiemarkt, einer Branche, die sich eigentlich gleichermaßen großer Aufmerksamkeit von Anlegern wie Verbrauchern erfreut. Anders ist nicht zu erklären, dass sich bislang kaum ein Investor für den Markt für flüssiggekühltes Gas – kurz LNG – interessiert. LNG ist nichts anderes als herkömmliches Gas, das auf minus 163 Grad gekühlt ist, dabei auf zwei Promille seines gasförmigen Volumens schrumpft und dann - im Gegensatz zum natürlichen Gas - sowohl gelagert als auch über die Weltmeere transportiert werden kann.

Sofern die Kapazitäten dafür vorhanden sind. Sie sind das Nadelöhr in einem globalen Boommarkt. Derzeit wächst der Markt für Öl weltweit um rund zwei, der Gasmarkt um rund drei Prozent pro Jahr. Der Markt für LNG hingegen wird sich bis 2010 verdoppeln und langfristig mit zehn Prozent pro Jahr wachsen, glauben etwa die Energie-Analysten der Citigroup und Credit Suisse First Boston laut Studien. Schließlich ist Gas ein enorm effizienter Energieträger, verbrennt sauber und ist global im Überfluss vorhanden. Binnen 25 Jahren, so schätzen Experten, wird dank der fortschreitenden Globalisierung rund die Hälfte des globalen Erdgashandels mit flüssig gekühltem Gas abgewickelt werden. Aktuell sind es weniger als fünf Prozent. Bis dahin sind gigantische Investitionen in Häfen, Schiffe und Verflüssigungsanlagen nötig, die alleine die Citigroup auf rund 50 Milliarden Dollar bis 2010 schätzt.

Derlei Investitionen können vor allem bekannte Energieriesen wie Shell und ExxonMobil stemmen, die beide inzwischen in LNG-Infrastruktur in gasreichen Ländern wie Qatar, Nigeria, Russland und Australien investieren. Im Vergleich zu den übrigen Aktivitäten spielt das LNG-Geschäft bei ihnen allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Anders bei der britischen BG Group: Das Unternehmen investiert sowohl in die Exploration und Förderung von Gas als auch in die Verflüssigung bis hin zum Transport und der Verteilung. Derzeit werden die BG-Aktien mit dem 13fachen der für 2005 erwarteten Gewinne gehandelt. Die Analysten von Lehman Brothers bescheinigten der BG Group noch im Juni, im Hinblick auf die LNG-Aktivitäten nicht nur über das größte Wachstum der Branche, sondern auch über das beste LNG-Portfolio überhaupt zu verfügen. Andere Konzerne konzentrieren sich nur auf Teile der Wertschöpfungskette – etwa der Exploration, Verflüssigung oder dem Transport.

Doch auch die Konzentration birgt Kurschancen. Das beweisen zum Beispiel die Hersteller von LNG-Tankern. Die Konstruktion und der Bau dieser Tanker ist äußerst komplex: Schließlich muss das Gas auch während des Transports ständig auf 163 Grad unter Null gekühlt werden. Derzeit kreuzen rund 190 LNG-Tanker auf den Weltmeeren, bis 2010 soll ihre Zahl s durch den LNG-Boom auf und 300 klettern. Aktuell sind 108 Schiffe für den Gastransport in Bau oder fest geordert. Der Markt ist fest in der Hand von nur drei börsennotierten koreanischen Konzernen: Daewoo und Samsung Shipbuilding sowie Hyundai Heavy Industries. Die drei Unternehmen kommen auf einen Marktanteil von 75 Prozent beim Aufbau der globalen LNG-Flotte und freuen sich über volle Auftragsbücher bis ins Jahr 2009 hinein.

Einen Blick wert für spekulative Anleger ist auch Chiyoda. Das japanische Unternehmen ist Weltmarktführer im Bau von Verflüssigungsterminals, die derzeit rund um den Globus entstehen, um Gas in der Nähe seiner Förderstätten in Schiffe umpumpen zu können. Erst Ende September erhielt Chiyoda den Auftrag für den Bau einer derartigen Anlage im gasreichen Golfstaat Qatar. Auftragsvolumen: Vier Milliarden Euro.

Christian Kirchner
Christian Kirchner
Handelsblatt / Geschäftsführender Redakteur New Investor
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